Panorama

Der Todessturz von HamelnFamilienclan muss vor Gericht

24.04.2017, 09:16 Uhr
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Einer der beiden Tatorte: Mit starken Kräften musste die Polizei das Krankenhaus in Hameln sichern. (Foto: dpa)

Im Jahr 2015 stürzt im Amtsgericht Hameln ein mutmaßlicher Räuber aus dem siebten Stock. Der Mann stirbt, aufgebrachte Angehörige greifen Polizisten an. Nach langer Vorbereitung beginnt jetzt der Prozess in Hannover.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen startet zu Wochenbeginn der Prozess gegen Mitglieder einer Großfamilie, die vor zwei Jahren nach dem Todessturz eines jungen Mannes Sanitäter und Polizisten angegriffen haben sollen.

Wegen der Randale des Familienclans aus dem Libanon müssen sich sechs Verwandte des Verunglückten ab heute vor dem Landgericht Hannover verantworten. Den fünf Männern im Alter von 27 bis 46 Jahren sowie einer 50-jährigen Frau wird unter anderem Landfriedensbruch sowie Körperverletzung vorgeworfen.

Was war geschehen? Laut Anklage versuchte ein 26 Jahre alter mutmaßlicher Tankstellen-Räuber am 14. Januar 2015, aus einem Fenster im siebten Stock des Amtsgerichts Hameln zu fliehen und stürzte dabei ab. Seine Angehörigen randalierten daraufhin vor dem Gerichtsgebäude und dem Krankenhaus, wo der 26-Jährige später starb. Dabei sollen 24 Polizisten und sechs Unbeteiligte verletzt worden sein.

Bereits am Tag zuvor soll einer der Angeklagten versucht haben, seinen damals vorläufig festgenommenen Bruder aus einem Streifenwagen zu befreien, was jedoch misslang. Dem 27-Jährigen wird daher auch versuchte Gefangenenbefreiung vorgeworfen.

Rettungseinsatz behindert

Zu den Angeklagten zählen außerdem die Mutter des Getöteten, ein Onkel, ein Cousin, ein Schwager und der Mann einer Cousine. Die Angehörigen des mutmaßlichen Räubers sollen nach dem Todessturz die am Unfallort eingesetzten Polizisten und Sanitäter verbal und körperlich angegriffen haben. Vor dem Krankenhaus, in das der Verletzte gebracht wurde, sollen sich dann 30 Angehörige versammelt haben. Es kam zu Auseinandersetzungen, weil die Polizei den Klinikeingang abgeriegelt hatte.

Der 26 Jahre alte mutmaßliche Räuber starb etwa drei Stunden nach dem Sturz. Danach sollen seine Mutter und sein Onkel die Gruppe angeheizt haben, die Polizisten vor dem Eingang anzugreifen. Dabei wurde laut Anklage auf die Beamten eingeprügelt, aus der zweiten Reihe der Angreifer sollen Steine geflogen sein.

Das Gericht hat für den Prozess mehr als 30 Verhandlungstage angesetzt. Demnach könnte erst im September das Urteil fallen. "Es sind sehr viele Vorwürfe in wechselseitiger Beteiligung, die aufzuklären sind", sagte Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke.

Quelle: mmo/dpa

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