Panorama

Die Erlösung für Vegetarier? Firma züchtet Fleisch ohne Tiere

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So sieht Hähnchenfleisch aus - ob den Verbrauchern das auch schmeckt, wenn es im Labor gezüchtet wurde?

(Foto: imago/Westend61)

Was wie eine Nachricht aus der Zukunft klingt, ist in Singapur nun schon Realität. Dort züchtet ein Unternehmen Fleisch im Labor, ganz ohne Tiere. Jetzt hat es eine Genehmigung bekommen und soll verkauft werden. Der Hersteller hat Großes vor.

In Singapur dürfen bald Chicken Nuggets aus Laborfleisch angeboten werden: Als erstes Land weltweit genehmigte der asiatische Stadtstaat im Labor erzeugtes Hähnchenfleisch in Form von Chicken Nuggets für den Verkauf an die Verbraucher, wie der US-Produzent Eat Just mitteilte. Das sei "ein Durchbruch für die Lebensmittelindustrie weltweit", erklärte Eat-Just-Chef Josh Tetrick.

Eat Just produziert das Laborfleisch aus Zellen, die dem Tier entnommen werden. Das Unternehmen erklärte, die Herstellung sei in mehr als 20 Produktionsläufen in 1200 Liter fassenden Bioreaktoren gründlich getestet und untersucht worden. Das gezüchtete Produkt erfülle alle Anforderungen an ein Lebensmittel. Die Lebensmittelaufsicht in Singapur habe das Laborfleisch "umfangreich" getestet.

Fleischproduktion treibt Klimawandel

Der Fleischverbrauch weltweit wächst stark; bis 2050 könnte er nach Angaben von Eat Just um 70 Prozent zulegen. Die Produktion ist ein Treiber des Klimawandels - für die Viehhaltung und den Futteranbau sind zum Beispiel große Flächen nötig, und die Tiere erzeugen zudem große Mengen Ammoniak.

"Ich bin sicher, dass die behördliche Genehmigung für Laborfleisch in Singapur nur die erste von vielen sein wird", erklärte Tetrick. Eat Just könne in Zusammenarbeit mit der Agrarbranche und fortschrittlichen Politikern helfen, die wachsende Nachfrage nach tierischem Eiweiß zu bedienen".

Griff zu Alternativen wegen Tierschutz

In Deutschland könnte Laborfleisch ebenfalls auf Interesse stoßen. 72 Prozent der hiesigen Verbraucher gaben in einer Umfrage an, aus Tierschutzgründen auf Fleischalternativen oder Ersatzfleisch zurückzugreifen. Aus diesem Grund kaufen demnach auch 49 Prozent der Befragten Alternativprodukte zu Milch, heißt es in der internationalen Studie des Nahrungsmittelkonzerns ADM. Damit unterscheiden sich die deutschen Verbraucher vom internationalen Durchschnitt: In anderen Ländern stehen laut Analyse eher Gesundheits- und Ernährungsaspekte im Vordergrund.

Insgesamt bezeichneten sich in der Umfrage 86 Prozent als sogenannte Flexitarier. Zwölf Prozent gaben an, dass sie rein vegetarisch essen. Zwei Prozent der Befragten waren nach eigenen Angaben Veganer - verzichten also auf alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs wie Eier oder Milch.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP