Panorama
Pete Seeger 1976 bei einem Auftritt mit Joan Baez für die Menschenrechte in Chile.
Pete Seeger 1976 bei einem Auftritt mit Joan Baez für die Menschenrechte in Chile.(Foto: dpa)
Dienstag, 28. Januar 2014

Sänger wurde 94 Jahre alt: Folklegende Pete Seeger ist tot

Von Volker Petersen

"We shall overcome" ist eines der Lieder, die Pete Seeger berühmt gemacht haben. Obwohl den Folksänger persönlicher Ruhm nie interessiert hatte. Dem linken US-Amerikaner ging es um mehr. Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Eine Ikone des linken Amerikas und der Friedensbewegung ist tot. Pete Seeger im Alter von 94 Jahren in Beacon im Bundesstaat New York gestorben. Wie die "New York Times" berichtet, bestätigte sein Enkel den Tod des Sängers. Weltberühmt wurde der stille Folksänger mit der Gitarre für seine Interpretation des Spirituals "We shall overcome". Der Song wurde zu einer Hymne der Gegner des Vietnamkriegs, ebenso wie sein Song "Where have all the flowers gone". Vor wenigen Jahren setzte ihm Bruce Springsteen ein Denkmal mit einem Album, in dem er Lieder des legendären Sängers coverte.

Seeger wurde am 3. Mai 1919 in New York geboren. Seine große Liebe für die Musik entdeckte er, als er 16 Jahre alt war: Auf einem Square Dance Festival begeisterte ihn die Folkmusik - sie sollte ihn sein Leben lang fesseln. Er begann, Gitarre zu spielen, trat auf und zog schließlich mit Woody Guthry, noch so einer Legende, durchs Land. Mit offenen Augen: Unterwegs fielen dem jungen Mann die sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten im Amerika der 30er und 40er Jahre auf.

Seeger schließt sich Kommunisten an

Ungerechtigkeiten, die den jungen Mann empört haben müssen. Einfach nur Lieder singen, genügte ihm nicht mehr. Seeger wurde politisch. Und wie: Während die USA im Zweiten Weltkrieg standen, trat er der "Young Communist League" bei, später engagierte er sich auch bei der Kommunistischen Partei der USA, was ihm Jahre später große Probleme bereiten sollte. Seegers damalige Band, die Almanac Singers, löste sich auf, als einige Musiker 1942 zum Militärdienst eingezogen wurden. Er selbst arbeitete währenddessen als Unterhalter der amerikanischen Truppen und trat allein auf.

Nach dem Krieg gründete er eine neue Band. Schon bald galten The Weavers als die Stimme des linken Amerikas, auch über die Staatsgrenzen hinaus. Die Gruppe veröffentlichte Songs, die auf der ganzen Welt bekannt wurden: "Goodnight, Irene" und "If I Had A Hammer (The Hammer Song)" gehörten dazu. Doch die 50er Jahre brachten den Musikern große Probleme.

Denn während der aufkommenden Ära des Kommunistenjägers Joseph McCarthy wurde Seeger seine politische Orientierung beinahe zum Verhängnis. So musste er vor dem "Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten" aussagen - allerdings war er bereits 1950 aus der Kommunistischen Partei wieder ausgetreten. Da er es ablehnte, Oppositionelle zu verraten, wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die später aufgehoben wurde.

"We shall overcome" wird zur Anti-Kriegs-Hymne

Ab Ende der 50er Jahre spielte Seeger allein, doch bekam er in den USA kaum noch Auftrittsmöglichkeiten. Stattdessen tourte er mit Frau und drei Kindern durch die ganze Welt. Vor allem in den Ostblockstaaten wurde er verehrt und hofiert. Erst Mitte der 60er Jahre konnte Seeger wieder regelmäßig in den USA auftreten. Er war oft auf Veranstaltungen der Arbeiterbewegung zu sehen, später trat er dann auch gegen den Vietnam-Krieg und bei Umweltschutzbewegungen auf. So wurde auch der alte Spiritual "We Shall Overcome" die Hymne der Bürgerrechtsbewegung.  

Seeger beließ es nicht beim Singen. So gründete er 1969 die Umweltorganisation "Clearwater" mit und blieb auch in der Folge stets eine Stimme des linken Amerikas. In den Jahren darauf wurde es stiller um den Sänger. Starruhm war seine Sache sowieso nicht. 1993 erhielt er einen Grammy für sein Lebenswerk, 1994 die höchste Auszeichnung für Künstler in den Vereinigten Staaten, den "Kennedy Center Award". 1996 wurde er dann in die "Rock'n'Roll Hall of Fame" aufgenommen. Bruce Springsteen widmete seinen Songs 2006 ein ganzes Album ("We Shall Overcome: The Seeger Sessions").  

Seine Grundhaltung war optimistisch. Die New York Times zitiert ihn mit den Worten: "Der Schlüssel zur Zukunft der Welt ist es, die optimistischen Geschichten zu finden und sie weiterzuerzählen."

Quelle: n-tv.de