Panorama

Londoner VAAC verteidigt Messdaten Forscher fliegen in die Wolke

Die Schließung des gesamten Luftraums über Nordwesteuropa beruht bislang lediglich auf Daten einer Computersimulation aus London. Das soll sich jetzt ändern.

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(Foto: dpa)

Die Vulkanasche-Wolke über Deutschland soll möglichst rasch wissenschaftlich untersucht werden. An diesem Montag soll ein Messflug von Oberpfaffenhofen bei München starten, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in München mitteilte.

"Zum Einsatz kommt eine Falcon 20E, die gerade mit speziellen Messgeräten ausgerüstet wird", sagte der Berliner DLR-Sprecher Andreas Schütz. Deshalb gelte das Flugzeug als "Special Aircraft" und benötige besondere Genehmigungen. Diese hole das DLR beim Luftfahrtbundesamt ein. "Das wird noch bis Montag früh dauern." Am Montag solle dann im Laufe des Tages gestartet werden. Das sei ein Ausnahmefall, "normalerweise dauert die Vorbereitung einer solchen Messung Monate", sagte Schütz. Nun jedoch seien alle Wissenschaftler und Techniker vor Ort, um bis zum Start die sogenannte "Basisinstrumentierung" zu montieren.

Trotz der Eile seien die erhobenen Daten aussagekräftig, betonte Schütz. "Unsere Wissenschaftler sind sehr erfahren. Sie zählen weltweit zu den Spezialisten auf diesem Gebiet." Die Messung in einer Höhe von 3000 bis 10 000 Meter soll weitere Daten zur Vulkanasche-Wolke über Deutschland liefern. Bereits am Samstag hatte das DLR diese Wolke durch eine Lasermessung nachgewiesen. Vorher hatte man sich auf Simulationsdaten aus England gestützt. Fluggesellschaften hatten deshalb Kritik geäußert und eigene Messungen des DLR verlangt.

VAAC verteidigt seine Messergebnisse

Das britische Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London bezeichnete indes seine Vorhersage-Methoden über die Ausbreitung von Vulkanasche als sehr verlässlich und vielfach bewährt. Die Modelle zur Ausbreitung der Wolke beruhten auf einer Vielzahl von Daten verschiedener Organisationen und Behörden, sagte eine Sprecherin. Diese Daten sind eine der Grundlagen, auf denen über Luftraumschließungen entschieden wird.

In seinen Computersimulationen und Rechenmodellen bringe das VAAC zum Beispiel Wetterdaten, Informationen aus Satellitenbildern, aber auch Beobachtungen von Forschern in Island zusammen. Nach dem Vulkanausbruch am Mittwoch habe das VAAC dann am Freitag Forscher in die Luft geschickt, damit sie Proben von Partikeln in verschiedenen Teilen der Aschewolke nehmen. Mit Hilfe der Satellitenbilder folgen die Wissenschaftler der Struktur der Wolke, sagte die Sprecherin.

Vorhersagen werden unter anderem mit dem sogenannten NAME-Modell gemacht, das auch bei der Untersuchung zur Ausbreitung von Radioaktivität oder chemischen Stoffen genutzt wird. Dieses und andere Modelle hätten sich "sehr gut bewährt", hieß es vom VAAC.

Ergebnis in 15 Minuten

Wenn ein Vulkan in dem Gebiet, für das das Londoner Zentrum verantwortlich ist, ausbricht, setzt folgender Prozess ein: Die Forscher geben Informationen über den Ort, den Beginn, die Austritts-Höhe, das obere und untere Ende der Wolke sowie andere Daten ein. Dann beginnt der Rechenprozess, der ungefähr 15 Minuten dauert. Heraus kommt ein grafisches Format. Daran lassen sich die Asche- Konzentrationen in den folgenden 24 Stunden detailliert und über eine große Region hinweg ablesen, heißt es in einer Erklärung des VAAC. Diese Karte wird dann von Behörden und Organisationen genutzt, um zu entscheiden, ob der Flugraum an bestimmten Stellen geschlossen werden muss oder nicht. Das VAAC ist auch mit Umwelt- und Gesundheitsbehörden vernetzt, um weitere Daten auszutauschen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP