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Sie rief nach ihrem Sohn Frau erwacht nach 27 Jahren aus dem Koma

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Die Frau wurde mit Medikamenten, Physiotherapie und operativen Eingriffen behandelt. (Symbolbild).

(Foto: imago)

Fast drei Jahrzehnte lang liegt eine Frau nach einem Autounfall im Wachkoma. Doch während mancher Arzt resigniert, gibt ihr Sohn die Hoffnung nie auf. Er behält recht - und wird eines Nachts von den Rufen seiner Mutter geweckt.

Medizinische Sensation nach fast drei Jahrzehnten im Wachkoma: In einer Fachklinik im oberbayerischen Bad Aibling ist eine Komapatientin nach 27 Jahren wieder zu Bewusstsein gekommen. Das berichtet die Klinik. Die Frau aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte Anfang der 90er-Jahre als damals 32-Jährige einen Autounfall erlitten. Munira Abdullah saß 1991 laut "The National" mit ihrem damals vierjährigen Sohn auf dem Rücksitz eines Autos, als dieses plötzlich mit einem Bus kollidierte. Sie warf sich schützend vor ihren Sohn, erlitt eine schwere Kopfverletzung, schlief ein und wachte nicht mehr auf - ganze 27 Jahre lang.

Nach Stationen in unterschiedlichen Krankenhäusern in ganz Europa landete Abdullah irgendwann in der Schön Klinik. Für ihren Sohn Omar gab es all die Jahre nur ein Ziel: "Ich will, dass ich wieder mit ihr sprechen kann", erklärte er laut "The National" den behandelnden Ärzten. Diese hätten jedoch trotz der Behandlung aus Medikamenten, operativen Eingriffen und Physiotherapien nicht daran geglaubt, dass dies jemals der Fall sein könnte.

Bis zum vergangenen Juni. Damals reagierte Abdullah erstmals wieder auf eine Ansprache - und rief kurz darauf nach ihren Sohn, der gerade an ihrem Krankenbett schlief. "Jahrelang habe ich von diesem Moment geträumt, und mein Name war das erste Wort, das sie sagte", berichtete er "The National". "Ich habe sie nie aufgegeben, weil ich immer das Gefühl hatte, eines Tages wird sie aufwachen", sagte er. Der heute 32-Jährige war als Vierjähriger bei dem Unfall nur leicht verletzt worden.

Immer wieder erlangen Wachkoma-Patienten das Bewusstsein wieder. Es habe vergleichbare Fälle gegeben, aber "die kann man an zwei Händen abzählen", so Chefarzt Friedemann Müller, der die Frau in Bad Aibling betreute. Weltweit bekannt wurde der Fall des US-Amerikaners Terry Wallis, der 2003 nach 19 Jahren das Bewusstsein wiedererlangte.

"Vielleicht war einfach die Zeit reif"

Müllers Kollege Klaus Jahn, Neurologe in einer anderen Abteilung der Schön Klinik, sagt über die Rückkehr ins Bewusstsein: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass das nach Jahren geschieht, nach drei, vier, fünf, manchmal zehn Jahren." Nach 27 Jahren sei dies aber sehr selten. "Es ist eher ein ungewöhnlicher Fall, aber er spricht für die gute Qualität der Versorgung", sagt auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Wachkoma Gesellschaft, Armin Nentwig. Nach seiner Schätzung liegen in Deutschland rund 7000 Patienten im Wachkoma. Der Verlauf sei oft schwer einzuschätzen. "Der Mensch hat ein Recht auf Leben und Rehabilitation", betont Nentwig jedoch. 

Als der Fall der heute etwa 60 Jahre alten Munira Abdullah vom Generalkonsulat der Emirate an die Schön Klinik herangetragen wurde, befand sie sich in einem Zustand des minimalen Bewusstseins. Sie habe manchmal mit den Augen etwas fixiert, sei also nicht völlig reaktionslos gewesen, so Chefarzt Müller. "Da habe ich gesagt, wir können sie kommen lassen. Da können wir etwas probieren." Die schweren Spastiken und epileptischen Anfälle brachten die Ärzte medikamentös unter Kontrolle, ein Medikament wurde direkt in den Rückenmarkskanal gleitet, um eine weitere Belastung des geschädigten Gehirns zu vermeiden. Unter anderem mit einem Exoskelett, mit dem gelähmte Menschen motorgesteuert Bewegungen machen können, wurde sie mobilisiert.

Zudem bekam die Patientin Physiotherapie und wurde operiert, um Versteifungen der Extremitäten nach dem langen Liegen zu korrigieren. Das Erfolgsrezept laut Müller: Die richtige Dosierung der Anwendungen, die richtige Reihenfolge - "und Glück dabei". "Wir haben nicht viel anderes gemacht als andere. Aber wir haben die Kombination aus antispastischen Medikamenten, Physiotherapie und Mobilisation optimiert. Und vielleicht war einfach die Zeit reif." 

Abdullah lebt nun wieder bei ihrer Familie in den Emiraten. Auch nach der Entlassung habe sich ihr Zustand noch etwas gebessert, so könne sie etwa mit einer Hand kleine Bewegungen machen - und sagen, wenn ihr etwas weh tue, sagt Müller. "Sie ist weiterhin schwer behindert, sie ist weiter auf Pflege angewiesen. Aber sie kann am Familienleben kommunikativ teilnehmen." Ihr Sohn sei sehr glücklich - und wolle anderen Mut machen. Deshalb habe er den Fall seiner Mutter nun öffentlich gemacht: "Er wollte die Botschaft in die Welt tragen."

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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