Neuer Plan in VorbereitungGeldgeber Gunz: Kritik an Walrettung "teilweise berechtigt"

Der Buckelwal in der Ostsee soll unbedingt gerettet werden - auch, wenn die Maßnahmen den Tod bedeuten könnten. Die privaten Geldgeber halten an ihrem Vorhaben fest. Derweil zögert das Umweltministerium, eine neue Genehmigung auszustellen.
Der neue Plan der Privatinitiative zum Transport des vor der Ostsee-Insel Poel liegenden Buckelwals wirkt herausfordernd. Bisherige Versuche scheiterten oder waren nicht mehr umsetzbar. Geldgeber Walter Gunz will das Vorhaben dennoch weiter finanzieren. "Wir bleiben dabei und gehen den Weg bis zum Ende", sagte der Mediamarkt-Gründer, der die Arbeiten um den Wal mitfinanziert. Ein mögliches Ende sei für ihn, wenn der Wal stirbt.
Natürlich können die Bemühungen misslingen, aber das sei das Risiko, das damit einhergehe, sagte der bayerische Unternehmer. Die Kritik an dem Geschehen betrachte er als "teilweise berechtigt". Die Hilfsaktion sei sehr kurzfristig geplant gewesen, im Rückblick hätte man möglicherweise einige Dinge anders gemacht.
Die Initiative wird von Gunz und Karin Walter-Mommert, die im Pferdesport aktiv ist, finanziert. Ziel ist, den Wal in den Atlantik zu bringen. Das rund zwölf Meter lange Tier liegt seit mehr als drei Wochen in der Kirchsee-Bucht vor der Insel Poel. Die Arbeiten der Gruppe laufen seit dem 16. April.
Nach der aktuellen Idee soll das rund zwölf Tonnen schwere Tier mit einem Lastkahn, einer sogenannten Barge, transportiert werden. Dafür soll eine mehr als 100 Meter lange Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tieferen Fahrwasser gegraben werden. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns hat bisher noch kein Go für den Plan gegeben. Die Prüfung des Konzeptes laufe. Es werde sich zeigen, ob es im Verlauf des heutigen Tages noch einen Beschluss geben könne, sagte Umweltminister Till Backhaus gegen Mittag.
Mehrere Fragen des Ministeriums habe das Team der Initiative zuletzt nachbearbeiten müssen - nun warte man auf Antwort, sagte Walter-Mommert. "Unsere Vorbereitungen laufen im Hintergrund weiter." Derzeit liegt der Wal in einer künstlich geschaffenen Kuhle - was ihn vor seinem Eigengewicht schützt, ihn aber auch am Wegschwimmen hindern würde, so er dazu noch in der Lage ist. Inzwischen erreichte auch das "Free Willy"-Team den Ort des Geschehens.
Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Teammitglieder der Initiative, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das Tier aber. Aus dem Team hieß es, der Wal sei zeitweise in völlige Panik geraten.
Umfrage zeigt gespaltene Meinung
Die private Rettungsaktion sehen die Deutschen mit gespaltener Meinung. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage, die von RTL und ntv in Auftrag gegeben wurde, halten 42 Prozent der Befragten die bisherigen Bemühungen für richtig, während 40 Prozent sie ablehnen. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) äußert sich unentschieden. Besonders Frauen und jüngere Menschen unter 45 Jahren bewerten die Rettungsaktion eher positiv.
Auch bei der Frage nach einer Fortsetzung der Rettung gibt es keine klare Mehrheit: 39 Prozent sprechen sich dafür aus, die Aktion weiterzuführen, 45 Prozent sind dagegen. Vor allem Männer und ältere Befragte lehnen eine Fortsetzung ab, während Frauen und Jüngere eher dafür sind.
Unter den Gegnern einer weiteren Rettung plädiert eine deutliche Mehrheit für ein Ende der menschlichen Eingriffe. 74 Prozent meinen, der Wal solle in Ruhe gelassen werden, 25 Prozent sprechen sich dafür aus, das Tier zu töten, um es von weiterem Leid zu erlösen.