Panorama

Endlose Corona-Krise "Generation Mitte" verliert die Hoffnung

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Als "Generation Mitte" gelten etwa 35 Millionen Menschen zwischen 30 und 59 Jahren.

(Foto: REUTERS)

Die 30- bis 59-Jährigen gelten als das Rückgrat der Gesellschaft, deshalb ist die Stimmung der "Generation Mitte" besonders wichtig. In einer neuen Umfrage wird nun deutlich, dass die Corona-Krise für sie zunehmend zur Belastung wird - ökonomisch, aber vor allem psychisch.

Die Corona-Pandemie schlägt der sogenannten "Generation Mitte" zunehmend auf die Stimmung. Jeder Zweite der 30- bis 59-Jährigen in Deutschland fühlt sich heute schlechter als vor der Krise. Das ergab eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Altersgruppe ist besonders von der Pandemie-Ausnahmesituation betroffen. Ihr Arbeitsalltag veränderte sich einschneidend, sie mussten über Monate hinweg Kinder betreuen und teilweise auch unterrichten, außerdem waren ihre Kontakte, vor allem zu älteren Familienangehörigen, erheblich eingeschränkt.

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(Foto: Institut für Demoskopie Allensbach/Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV))

Das zehrt offenbar an den Nerven. Nur gut jeder Fünfte (22 Prozent) geht mit Optimismus in die kommenden zwölf Monate. Vor einem Jahr war noch annähernd die Hälfte der Befragten (47 Prozent) hoffnungsvoll. Für den dramatischen Stimmungseinbruch machen die Meinungsforscher das Gefühl verantwortlich, dass ein Ende der Corona-Krise für die meisten nicht in Sicht ist. An eine Rückkehr zur Normalität binnen mehrerer Monate glaubt nur jeder Fünfte. Über 70 Prozent stellen sich hingegen auf eine länger andauernde Ausnahmesituation ein.

Am schlimmsten ist für die "Generation Mitte" die Unsicherheit: 70 Prozent finden es unerträglich, dass sich das Ende der Krise nicht absehen lässt. Die Ungewissheit wiegt damit schwerer als konkrete Einschränkungen wie Besuchsverbote (50 Prozent) oder auch faktische Verbote von Auslandsreisen (16 Prozent).

Spaltpilz Corona

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(Foto: Institut für Demoskopie Allensbach/Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV))

Zudem konstatiert eine Mehrheit der "Generation Mitte" eine starke (49 Prozent) oder sogar sehr starke Veränderung (11 Prozent) unserer Gesellschaft - und zwar nicht zum Besseren: Rund 70 Prozent klagen über zunehmende Aggressivität und Ungeduld, gut die Hälfte beklagt wachsenden Egoismus. Es gebe mehr Ängste und Unsicherheit, eine wachsende Neigung, Regeln zu missachten, zunehmenden Egoismus und einen weitverbreiteten Rückzug ins Private. Viele sehen die Gesellschaft als weniger tolerant und haben den Eindruck, dass die Meinungsfreiheit abgenommen hat. Vier von zehn Befragten sagen, dass gutes Benehmen und gute Manieren an Bedeutung verloren haben. Eine zunehmende Hilfsbereitschaft erkennen demgegenüber nur 13 Prozent der Befragten. "Corona wirkt wie ein Spaltpilz - die große Mehrheit sieht mehr Aggressionen und Egoismus als wachsende Solidarität", sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Die Corona-Krise lässt die "Generation Mitte" zudem deutlich an den Vorteilen einer offenen, globalisierten Volkswirtschaft zweifeln. Drei von vier Befragten (75 Prozent) machen sich große Sorgen über die ökonomischen Kollateralschäden der Corona-Krise. Eine relative Mehrheit (38 Prozent) glaubt, dass die deutsche Wirtschaft ihre starke Position in den nächsten Jahren nicht verteidigen kann. Gleichzeitig teilen immer weniger Menschen den Eindruck, dass die deutsche Wirtschaft von der Globalisierung vor allem profitiert (2020: 48 Prozent, 2017: 64 Prozent). Knapp jeder Zweite (46 Prozent) gibt der Globalisierung die Schuld an der Verbreitung des Corona-Virus auf der ganzen Welt, 34 Prozent stimmen der Aussage nicht zu.

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(Foto: Institut für Demoskopie Allensbach/Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV))

"Erstmals lehnt eine Mehrheit der 'Generation Mitte' die Idee der Globalisierung ab. Das macht mir Sorgen, denn ohne starke internationale Kooperation, insbesondere in der EU, werden wir weder Corona noch den Klimawandel meistern", betonte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Neben der Corona-Pandemie beschäftigt der Klimawandel die "Generation Mitte" stark. Jedem Zweiten machen die zunehmende Erderwärmung und Klimaveränderungen große Sorgen. Eine Mehrheit (63 Prozent) glaubt jedoch nicht daran, dass sich der weltweite Klimawandel noch stoppen lässt. Dass in Deutschland zu wenig für den Klimaschutz getan wird, sagt die Hälfte der Befragten.

Die "Generation Mitte" ist der "Leistungsträger" unserer Gesellschaft. Die mehr als 35 Millionen Menschen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren stehen mitten im Berufsleben, erziehen Kinder und finanzieren die sozialen Sicherungssysteme. Sie stellen 70 Prozent der Erwerbstätigen und erwirtschaften über 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte. Für die Umfrage wurden zwischen Mitte Oktober und Anfang November 2020 insgesamt 1.047 Interviews geführt.

Quelle: ntv.de, sba