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Boden unter den Füßen aberkannt Gerichtsfehler treibt Familie in den Ruin

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Das Amtsgericht in Luckenwalde hätte den Erben vor der Auktion anschreiben müssen, doch der war nicht auffindbar.

(Foto: imago stock&people)

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Weil das zuständige Amtsgericht einen Fehler begangen hat, gehört einer Familie plötzlich nicht mehr das Grundstück, auf dem sie ein Haus gebaut hatten. Es folgt ein ruinöser Rechtsstreit, der langsam sein trauriges Ende zu finden scheint.

Im April 2010 ersteht die Familie Walter ein Grundstück in einem brandenburgischen Dorf. Die erste Tochter war kurz zuvor geboren worden, die Familie sucht nach bezahlbarem Grund und Boden und wird fündig: 1000 Quadratmeter groß, am Hang gelegen. Das Örtchen Rangsdorf schmiegt sich an einen See, gut 11.500 Menschen leben dort, Berlin liegt nur eine halbe Stunde entfernt. Bei einer Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Luckenwalde bietet Kristin Walter die höchste Summe und bekommt den Zuschlag für das Fleckchen Erde, das ihr vier Monate später laut Grundbucheintrag auch offiziell gehört.

Die Familie beginnt auf dem Gelände das Haus zu bauen, in das sie zwei Jahre später einzieht. So erzählen es die Walters auf einem Blog im Internet, so berichten RBB und ZDF, so schreibt die "Welt". Diese Prominenz verdanken die Walters natürlich nicht ihrem ungetrübten Familienglück. Ihr Glück aber macht alles, was danach kommt, nur noch schlimmer.

Drei Monate nach Einzug meldet sich der vorige Besitzer des Grundstücks beim Amtsgericht Luckenwalde. Es handelt sich laut RBB um einen US-amerikanischen Manager mit Wurzeln in Deutschland. Er hatte das Grundstück demnach von seiner Großtante geerbt, wohl zusammen mit Schulden, die bei der Stadt Freiburg im Breisgau offen waren. Weil er von seinem Erbe zunächst nichts wusste, beglich der US-Amerikaner weder die offenen Forderungen aus Freiburg noch kümmerte er sich um das geerbte Land.

Der Schock kommt nach den Flitterwochen

Weil die Stadt Freiburg aber ihr Geld zurückwollte, kam es zur Zwangsversteigerung des Grundstücks in Rangsdorf, an deren Ende sich die Walters als neue Eigentümer fühlen durften. Die Sache aber hat einen Haken, von dem die Walters nichts wissen: Das Amtsgericht unterrichtete den Erben nicht von der Zwangsversteigerung. Nach RBB-Informationen war der Mann nicht auffindbar, wohl wegen seines weit verbreiteten Namens und weil er im Vorfeld der Auktion mehrmals umgezogen war.

Nur wenig später allerdings erfährt der US-Amerikaner von seiner Erbschaft und legt Beschwerde gegen die Versteigerung ein. Im November 2013 weist das Amtsgericht Luckenwalde die Beschwerde zurück - sie geht ans Landesgericht in Potsdam. Das entscheidet im darauffolgenden Frühjahr in der Sache. Während ihrer Flitterwochen, knapp zwei Jahre nach dem Einzug, bekommen die Walters nach eigener Aussage einen Brief aus Potsdam: Das Haus, in dem sie mit ihren beiden Töchtern wohnen, das Grundstück, für das sie sich verschuldet haben - das alles ist nicht mehr ihr Eigentum.

Das Amtsgericht in Luckenwalde hätte den Erben vor der Auktion anschreiben müssen, sagt Potsdam. Die Versteigerung sei nicht rechtens gewesen - damit gehört das versteigerte Grundstück dem Manager aus den USA, mitsamt dem Haus, das darauf steht. "Wenn der rechtskräftige Zuschlag wegfällt, verliert der Ersteher sein Eigentum (…) wieder", zitiert das ZDF das Landesgericht. Vor Gericht wird eine Einigung versucht, davon berichten die Walters auf ihrem Blog. Die aber scheint nicht gefruchtet zu haben:

Familie steht wohl vor dem Ruin

Denn es beginnt ein langer Rechtsstreit. Laut RBB verklagt der Erbe die Familie auf eine monatliche Nutzungsentschädigung. Das Landgericht weist die Forderung zurück. In den Jahren nach dem Schock-Urteil türmen die Walters dem Bericht zufolge 80.000 Euro an Anwaltskosten auf, sie wenden sich sogar an das Bundesverfassungsgericht - alles ohne Erfolg.

Auch im Sommer 2022 wohnen die Walters noch immer in Rangsdorf. Doch, dass ihre Zeit in dem Haus am Hang endlich ist, wird immer deutlicher: Das brandenburgische Landesgericht hat laut RBB am vergangenen Donnerstag entschieden, dass die Familie ausziehen muss. Sie sei außerdem dazu verpflichtet worden, dem Erben vorzurechnen, welchen finanziellen Nutzen sie aus der Immobilie gezogen hätten.

Für die Walters bedeutet das wohl weitere Kosten - zusätzlich zu den 240.000 Euro an offenen Schulden für Hausbau und Grundstückskauf. Der Familie drohe der Ruin, schreibt der RBB. Der Sender zitiert ihren Anwalt, der das Land Brandenburg dafür verantwortlich macht und Schadensersatz fordert. Noch ist demnach unklar, wann und zu welchen Bedingungen die Walters ihr Heim abgeben müssen. Sie wollten das Urteil vor dem Bundesgerichtshof anfechten, sagten sie dem RBB.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 07. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lwe

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