Panorama

Licht ins Geheimnis der "Dunkelgräfin"Grabkammer in Hildburghausen geöffnet

16.10.2013, 16:20 Uhr
3ejs4150-jpg540697382326441503
Der Bagger musst nicht einmal besonders tief graben, um auf den Sarg der "Dunkelgräfin" zu stoßen. (Foto: dpa)

Vorsichtig legt ein kleiner Bagger zunächst Sargnägel und später auch Gebeine frei. Die Ausgrabung soll das Geheimnis der so genannten "Dunkelgräfin" lüften. Ist sie tatsächlich die Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI.?

Die mysteriöse "Dunkelgräfin" von Hildburghausen sorgt seit rund 200 Jahren für reichlich Spekulationen. Sie lebte in fast völliger Abgeschiedenheit, zeigte sich nie ohne Schleier und pflegte dennoch einen aufwändigen Lebensstil. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die 1837 verstorbene Dame sei in Wahrheit eine bourbonische Prinzessin - nämlich die Tochter Ludwigs XVI. und Marie Antoinette.

3ejs4707-jpg4172745800199089097
Diese Nägel hielten einst den Deckel auf dem Sarg der "Dunkelgräfin". (Foto: dpa)

Forscher sollen dem Geheimnis von Hildburghausen nun auf dem Grund gehen. Dafür öffneten sie das Grab und fanden Gebeine, die zumindest dem Altershorizont der vermuteten historischen Person entsprechen. Wie die Anthropologin und Gerichtsmedizinerin Ursula Wittwer-Backofen den MDR sagte, soll aus den Knochen DNA gewonnen werden, um zu prüfen, ob es sich tatsächlich um die Tochter des während der Französischen Revolution hingerichteten französischen Königspaares Ludwig XVI. und Marie Antoinette handelt. Die "Dunkelgräfin" war 1837 verstorben.

Die so genannte Madame Royale war nach der Revolution aus Frankreich geflohen und verschleierte fortan ihre wahre Identität. Tatsache ist, dass im Jahre 1807 "ein merkwürdiges Paar" in der kleinen südthüringischen Residenzstadt Hildburghausen abstieg: Der Herr, den man für einen Grafen hielt, nannte sich Vavel de Versay. Über die Dame war nichts bekannt. Weitgehend abgeschottet von der Öffentlichkeit verbrachten die beiden ab 1810 den Rest ihres Lebens auf einem wenige Kilometer von der Stadt entfernten Schloss, das sie nur zu Kutschfahrten und Spaziergängen im Garten verließen.

Als der vermeintliche "Graf" 1845 starb, stellte sich schnell heraus, dass es sich in Wirklichkeit um einen holländischen Diplomaten handelte, der sich am Hofe Ludwigs XVI. aufgehalten hatte. Die Identität der Dame, die bereits 1837 starb, gibt hingegen bis heute Rätsel auf. Ihr Begleiter gab ihren Namen als Sophie Botta an, die in Westfalen geboren wurde und ledig im Alter von 58 Jahren gestorben sei.

Mehrere Theorien kursieren

Seither kursieren etliche Verschwörungstheorien: Die einen vermuten in der sogenannten Dunkelgräfin eine illegitime Tochter des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, dem späteren König Wilhelm II. Andere spekulieren, es könnte sich um Sophie von Botta gehandelt haben - und wäre eine illegitime Tochter des österreichischen Kaisers Joseph II.

Die am heißesten diskutierte Theorie ist aber weiterhin, die Dame sei Prinzessin Marie Thérèse gewesen, Tochter des 1793 hingerichteten französischen Königspaares. Madame Royale soll während ihrer Gefangenschaft in Paris heimlich durch eine andere Frau ausgetauscht worden und so nach Hildburghausen geflohen sein.

Die Stadt Hildburghausen will nun nicht länger spekulieren und setzt auf den DNA-Test. Als Abgleich soll Genmaterial eines anderen Kindes des Königspaares dienen - von Ludwig XVII. - dem vermeintlichen Bruder der Madame Royale.

Die Stadt sich von dem Projekt auch einen Imagegewinn. Um mehr Touristen anzulocken, wurden bereits Wanderwege rund um das Grab neu hergerichtet. Und am Hildburghäuser Theater hatte jüngst der zweite Teil eines Stückes um "Das Geheimnis der Dunkelgräfin" Premiere. Unterstützt wird das Projekt vom Mitteldeutschen Rundfunk.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

VerschwörungstheorienThüringen