Panorama

Posse um Akt-Ausstellung Gysi holt Nacktbilder in sein Wahlkreis-Büro

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Stephanie Seymour auf einem Foto von Richard Avedon in einem Auktionshaus in Paris.

(Foto: Reuters)

Wie nackt darf man in einem Rathaus sein? Diese Frage erregt die Gemüter im Berliner Osten. Es geht um eine Foto-Schau, die alljährlich auch ein paar Nackedeis zeigt. In den Streit um abgehängte Aktfotos mischt sich nun ein prominenter Politiker ein.

In Berlin dürfen sich die Menschen gerade empören oder erheitern, je nachdem, was ihnen mehr liegt. Es geht um eine Fotoausstellung im Köpenicker Rathaus. Weil sich unter den fast 400 Bildern auch ein paar Aktfotos befinden, entbrannte ein Streit zwischen Bezirksamt und Künstlern - der damit endete, dass die Künstler die Ausstellungen absagten.

Nun hat sich ein Berliner Politiker der Sache angenommen. Wie mehrere Berliner Medien berichten, wird Linken-Politiker Gregor Gysi eine Auswahl in seinem Wahlkreisbüro in Berliner Bezirk Treptow zeigen. Mehr sei aus Platzgründen nicht möglich, verlautete aus Gysis Büro. Nach Angaben der "Berliner Zeitung" stammt die Idee von Gysi selbst. Insgesamt würden ab dem 18. April 36 Fotos gezeigt, darunter seien auf ausdrücklichen Wunsch des Politikers auch vier Aktfotos. Das Thema Nacktheit war schließlich der Stein des Anstoßes.

In den vergangenen Jahren hatte die Ausstellung wiederholt für Wirbel gesorgt, weil sich unter den Fotos auch immer ein paar Nackedeis befanden. Die betroffenen Bilder wurden schließlich abgehängt. Begründung war laut dem damaligen Kulturstadtrat der CDU, Michael Vogel, dass sich Mitarbeiter und Besucher beschwert hatten. Die Bilder hätten religiöse Gefühle von Migranten, die das Rathaus besuchten, verletzen können.

Diesem Ärger wollte die neue Bezirksstadträtin Cornelia Flader aus dem Weg gehen und versuchte bereits im Vorfeld der diesjährigen Schau, Aktbilder auszusortieren. In einem Gespräch mit den Künstlern soll sie den Vorschlag gemacht haben, bestimmte Fotos separat zu zeigen. Doch dieser Vorschlag ging nach hinten los. Flader habe das vorgelegte Papier "Verabredung" genannt - "Zensur ausüben" trifft es eher, monierten die Künstler. Unter solchen Vorzeichen könne man im Rathaus Köpenick derzeit leider wirklich nichts mehr ausstellen.

Diese Anschuldigung wiederum ließ Flader nicht auf sich sitzen. Was folgte, war eine saftige Pressemitteilung: "Das Amt hätte gern auf die Ausstellung von Aktfotos, Gewaltdarstellung und Schockwerbung verzichtet. Im Rückblick auf zahlreiche Auseinandersetzungen."

Darauf reagierten die Fotografen mit einem offenen Brief auf ihrer Homepage mit den Worten: Wer den Eindruck vermittle, sie hätten in 22 Ausstellungen im Rathaus vornehmlich Aktfotos, Gewaltdarstellungen und Schockwerbung gezeigt und müsse nun das Rathaus endlich davor schützen, der irrt nicht, der lüge vorsätzlich und beleidige Mitglieder der Gesellschaft für Fotografie sowie des beteiligten Foto Klub Forum Berlin.

Quelle: n-tv.de, dsi

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