Panorama

Französisches Dorf rebelliert Hahnenschrei soll Kulturerbe werden

Hahn.jpg

Der Hahn ist kein Schreihals, sondern sollte Weltkulturerbe werden, fordert ein französischer Bürgermeister.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Bürgermeister eines kleinen Dorfes in Frankreich hat es satt: Zugezogene aus der Stadt beschweren sich wegen krähender Hühner, blökender Schafe und läutender Glocken. Dagegen fasst er nun einen großen Plan.

Der Hahnenschrei, das Blöken von Schafen und das Muhen von Kühen sollen in Frankreich nationales Kulturerbe werden: Das zumindest fordert Bruno Dionis du Séjour, Bürgermeister des 400-Seelen-Dorfes Gajac im Südwesten des Landes. Er will damit den weit verbreiteten Klagen über zu viel "Lärm auf dem Lande" die Grundlage nehmen.

Nach Einschätzung von Dionis du Séjour ziehen immer mehr Menschen vor Gericht, weil sie sich durch ländliche Geräusche gestört fühlen. In einer Gemeinde in der Nähe von Gajac verklagten etwa Bewohner einen Nachbarn, dessen Hahn Maurice in den frühen Morgenstunden laut kräht.

Der Bürgermeister schrieb deshalb einen offenen Brief. Er richtet sich an Anwohner "mehrheitlich städtischer Herkunft", die aufs Land ziehen "und dort entdecken, dass Eier nicht auf Bäumen wachsen".

Der Ortsvorsteher, der 40 Jahre lang als Landwirt gearbeitet hat, will aber nicht nur Tiergeräusche als Kulturerbe schützen lassen. Es geht ihm auch um Kirchenglocken, deren Läuten ebenfalls die Justiz beschäftigt. "Wer Glocken angreift, greift ein ganzes Dorf an", empört sich Dionis du Séjour. "Wenn ich in die Stadt fahre, verlange ich ja auch nicht, dass Ampeln und Autos entfernt werden."

Innerhalb weniger Tage hat der Bürgermeister für seinen Vorstoß mehr als 150 Unterstützer-Mails aus ganz Frankreich erhalten. Darunter auch die eines Abgeordneten der Pariser Nationalversammlung. Er will Dionis du Séjour helfen, beim Kulturministerium einen Antrag auf Schutz der ländlichen Geräusche zu stellen.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen