Panorama

"In 80 Gärten um die Welt"Hamburg blüht auf

18.04.2012, 20:00 Uhr
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Blick auf die Baustellen der Internationalen Gartenschau 2013 (r) und der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (l). (Foto: dpa)

Blumen, so weit das Auge reicht, zarte Knospen an Sträuchern und Bäume mit frischem Grün. Bis sich die Internationale Gartenschau Hamburg 2013 in erster Pracht zeigt, bleibt noch ein Jahr Zeit.

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Gärtnerische Schauflächen auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau 2013 im Stadtteil Wilhelmsburg in Hamburg. (Foto: dpa)

Der Eingang zur Internationalen Gartenschau (igs) 2013 in Hamburg ist noch eine Baustelle. Lastwagen hinterlassen ihren Reifenabdruck auf erdverschlammten Wegen, an Öko-Häusern und Anlagen wird gebaut. "Wir sind im Zeitplan", beteuern die Macher der Pflanzenschau ein Jahr vor dem Start. Bis zur Eröffnung am 26. April 2013 müssen noch Beete bestückt, Spielplätze eingerichtet, Bühnen und Sportanlagen vorbereitet und Unterhaltungskünstler ausgewählt werden. Doch die Konturen auf dem rund 100 Hektar großen Gelände zeichnen sich ab, sieben Welten mit insgesamt 80 verschiedenen Gärten nehmen Gestalt an.

Imposant erhebt sich die jüngst eröffnete Kletterhalle auf einem leichten Hügel, zartes Rasengrün sprießt neben dem Aufgang. Sie ist Teil der "Welt der Bewegung", dem zentralen Thema neben der Pflanzenschau. Den Verantwortlichen, allen voran Geschäftsführer Heiner Baumgarten, geht es um ein Parkkonzept, das über das Jahr 2013 hinausreichen soll. Im 19. Jahrhundert wurde ein Volkspark für Menschen zur Erholung angelegt, die unter beengten Wohnverhältnissen lebten und schwerer körperlicher Arbeit nachgingen. "Heute haben wir weniger körperliche Arbeit und brauchen wieder mehr Bewegung", erläutert Baumgarten jüngst beim igs-Frühjahrsempfang.

Kondition werden auch die erwarteten rund 2,5 Millionen Besucher für den sechs Kilometer langen Rundweg brauchen. Oder sie besteigen die geplante Geländebahn, die sie über 3,4 Kilometer trägt. Manager Baumgarten ist gespannt auf die ersten Testfahrten Anfang 2013: "Dann werden wir sehen, ob die Perspektiven entstehen, die wir uns von der Streckenführung erhofft haben. Die Bahn ist eine Inszenierung des Parks mit neuen ungewöhnlichen Einblicken", sagt er.

Gärtnerischer Streifzug durch die Kontinente

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Im ehemaligen Verdüsungsraum des Wilhelmsburger Wasserwerks sind Veranstaltungs- und Gastronomiebereiche der Gartenschau untergebracht. (Foto: dpa)

Einblicke in andere Kulturen wollen die Gestalter auch mit der "Welt der Kontinente" - ein gärtnerischer Streifzug durch die fünf Erdteile - und der "Welt der Kulturen" geben. Schließlich ist die Heimat der Gartenschau ein Stadtteil, in dem mehr als 100 Nationalitäten leben. Wilhelmsburg, die größte bewohnte Flussinsel Europas und Schauplatz der schwersten Flutkatastrophe der deutschen Nachkriegszeit 1962, war bewusst als Standort ausgewählt worden. Der Stadtteil im Süden, durch die Elbe abgeschnitten von der Innenstadt, gilt wegen hoher Arbeitslosigkeit auch als Problemviertel.

Der multikulturellen Gesellschaft trägt auch eine weitere Gartenwelt Rechnung - die "Welt der Religionen". Ein gemeinsamer Brunnen als Zeichen von Respekt und Toleranz vereint beim Westeingang die fünf Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum. Eigens wurde eine vorhandene alte Kapelle als Begegnungsstätte saniert. Empfangen werden die Gäste nah diesem Bereich von Hochbeeten in eigenwillig geformten Schalen - wie Wellen legen sie sich in den Weg. "Die sind der Hammer", staunt Anja Borstelmann noch immer. Sie ist verantwortlich für die gärtnerischen Ausstattungen im Gelände.

"Ich organisiere das Einbuddeln." Jeden Freitag dreht Borstelmann ihre Runde über das Gelände, begutachtet die Pflanzungen, gibt den Gärtnern Tipps. "Diesen Winter hatten wir ein super Anwachsergebnis - trotz des Frostes im Februar." Gerade sind Heideplaggen - ähnlich wie Rollrasen - verlegt worden. Die niedrigen Sträucher repräsentieren eine der Kulturlandschaften der Hamburger Metropolregion - die Lüneburger Heide. Das Obstanbaugebiet Altes Land, die Vier- und Marschlande, die Knicklandschaften Schleswig-Holsteins und das Pinneberger Baumschulland sind ebenfalls vertreten.

Bauaustellung parallel zur Gartenschau

Mehr als 15.000 Quadratmeter gärtnerische Ausstellungsfläche sind bereits mit etwa 150.000 Stauden und 8000 Rosen bepflanzt, berichtet Baumgarten. Mehr als eine doppelt so große Fläche wird noch hinzukommen - bepflanzt mit Tulpen, Stiefmütterchen, Primeln, Fuchsien, Rhododendren, Geranien. Parallel zur Gartenschau präsentiert sich im nächsten Jahr auch die Internationale Bauaustellung IBA mit neuen Wohn- und Energiekonzepten auf der Elbinsel.

Quelle: ntv.de, Almut Kipp, dpa