Panorama

Neubau des jüdischen Tempels in Jerusalem Heikle Vision

Godsholymountain.jpgIm Jerusalemer Konrad-Adenauer-Zentrum hat eine fromm-jüdische Gruppe für "Interreligiösen Dialog" eine "Friedensvision" vorgestellt, wie sich am "Ende der Tage" Judentum, Christentum und Islam friedlich vereint den Jerusalemer Tempelberg teilen könnten. Der israelischer Talmudschüler, Joav Frankel, hat fünf Jahre lang geforscht, ob es im jüdischen Religionsgesetz oder bei "bedeutenden Rabbinern" Einwände gäbe, den Salomonischen Tempel nicht an der Stelle des "Allerheiligsten", sondern ein paar Meter weiter nördlich zu errichten. Denn über dem heiligen Felsen, einst Ausgang des Paradieses, die Stelle wo Abraham den Isaak opfern wollte, und das "Allerheiligste", wo Gott "Wohnung auf Erden" bezogen hat, erhebt sich der Felsendom mit der Goldenen Kuppel - das erste und wohl schönste Bauwerk des Islam. Dort lehrte Jesus im Tempel und von dort fuhr der Prophet Muhammad in den Himmel: Geballte Heiligkeit.

Nachdem Frankel die innerjüdischen Probleme ausgeräumt hatte, finanziert durch eine Gruppe namentlich nicht genannter "reicher Juden" und unter den Fittichen einer Organisation, die interreligiösen Dialog betreibt, ging er an die Öffentlichkeit. Heraus kam eine Visualisierung seiner Vision als riesiges Ölgemälde des Künstlers und Architekten Ascher Oskar Fröhlich aus Ein Hod bei Haifa. Links im Bild steht der muslimische Felsendom und wirft einen tiefgrünen Schatten auf Menschengruppen auf dem Tempelberg, auch Berg Moria, Haram Esch-Scharif (erhabenes Heiligtum) oder schlicht El Aksa genannt. Rechts davon, im grellen Sonnenlicht, leuchtet die nachempfundene Rekonstruktion des salomonischen Tempels aus der Zeit des Herodes. Jenseits der Umfassungsmauer, sozusagen "ausgesperrt", sieht man die christliche Grabeskirche und das protestantische Gartengrab. Durch das Goldene Tor, das sich bei der Ankunft des Messias wundersam öffnen wird, strömen Christen zum islamischen Felsendom und jüdischen Tempel.

Traumvision der Symbiose

Unter den abgebildeten Figuren sind orthodoxe Juden in polnischer Tracht, Araber mit Keffije und Frauen mit Kopftuch zu erkennen. Die Christen sind nicht mit Kreuz oder Kutte gekennzeichnet. Über der Traumvision der Symbiose der drei Religionen schwebt ein Regenbogen.

Podium.jpgFrankel behauptet, die "politischen Probleme" ausgeblendet zu haben. Gleichwohl könnte diese Veranstaltung in der muslimischen Welt einen Sturm der Entrüstung auslösen, der die Aufstände gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen oder die Regensburger Rede des Papstes in den Schatten stellt. Frankel will sein Projekt, den jüdischen Tempel auf dem heiligen Berg wiederzuerrichten, über Al-Dschasira und andere arabische Fernsehsender den 1,3 Milliarden Moslems nahe bringen. Erl glaubt fest an seine Friedensbotschaft und an die Symbiose der drei monotheistischen Religionen, obgleich er eingesteht, dass Gott da nachhelfen müsse, damit Christen und Moslems, aber auch die Juden ihre Ansichten ändern, ehe sie sich einig würden.

Seitdem die Römer den Tempel des Herodes im Jahr 70 geschliffen haben, und bis zur israelischen Eroberung Ostjerusalems 1967, war es Juden verboten, den Tempelberg zu betreten. Moslems behaupten entgegen der Geschichtsschreibung, dass es in Jerusalem nie einen jüdischen Tempel gegeben habe. Die herodianischen Steinblöcke, etwa an der Klagemauer, hätten Jebusiter lange vor Ankunft der jüdischen Eroberer unter Josua gesetzt. Der Mufti Hadsch Amin el Husseini rief in den zwanziger und dreißiger Jahren zu blutigen Pogromen in Jerusalem und Hebron auf, weil die Juden sich vermeintlich des muslimischen Heiligtums ermächtigen wollten.

1990 gab es 22 Tote auf dem Tempelberg, weil ein israelischer Exzentriker, Gerschon Salomon, den "Grundstein" für den Bau des Tempels legte. Jassir Arafat mobilisierte die Massen zum Aufstand mit dem gleichen Argument wie zuvor sein Onkel, der Mufti. Die Al-Aksa-Intifada mit Tausenden israelischen wie palästinensischen Toten wurde entzündet, nachdem Ariel Scharon demonstrativ auf den Tempelplatz gestiegen war. Auch dieser Akt wurde von Moslems als jüdischer Versuch empfunden, die drittheiligste Stätte des Islam einzunehmen. Wenn man bedenkt, wie dieser Konflikt auf die muslimische Welt ausstrahlt, Ahmadinedschad, Saddam Hussein und Osama bin Laden zu ihrer Politik angespornt hat, löste das "erhabene Heiligtum" längst einen Weltkrieg aus.

Vor der Vorstellung des Gemäldes waren zwei muslimische Scheichs, zwei Rabbiner und ein katholischer Jesuiten-Priester eingeladen worden, um über den "einen Gott" zu diskutieren. Alle waren in das Projekt eingeweiht, verschwanden jedoch vor der Enthüllung des Bildes. Auch wenn Nimmer Darwisch, der Gründer der islamischen Bewegung in Israel, forderte, bis zur Ankunft des Messias in Ostjerusalem den Status quo zu erhalten, weil es sonst zu Blutvergießen kommen könnte, sanktionierte er durch seine Anwesenheit die Errichtung eines jüdischen Tempels auf dem heiligen Berg. Wie Moslems auf das Gemälde reagieren, bleibt abzuwarten.

Ulrich W. SahmDer Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist  immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: ntv.de