Panorama

"Transport startet jetzt" Höhlenforscher ist auf dem Weg nach oben

Tagelang haben die Vorbereitungen gedauert. Nun beginnt für den schwer verunglückten Höhlenforscher Westhauser und seine Helfer der Aufstieg. Er soll etwa eine Woche dauern. Der Zustand des Mannes ist unverändert stabil.

Für den verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser hat der lange Weg nach oben begonnen - fünf Tage nach seinem Unfall in der Höhle. Am späten Freitagnachmittag habe der Transport begonnen, teilte die Bergwacht in Berchtesgaden mit. "Transport startet jetzt", hieß es demnach auch über das spezielle Textnachrichtenprogramm, das der Bergwacht die Kommunikation mit Westhauser, seinem Arzt und weiteren Helfern ermöglicht.

Wie lange der beschwerliche Aufstieg dauern wird, ist nach Bergwacht-Angaben unklar. "Höhle heißt warten", sagte der Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider. "Die bisherige Kalkulation mit einer Woche bleibt bestehen, tendenziell eher länger." Schließlich seien die Bedingungen alles andere als angenehm. "Es ist zugig, es ist schwierig, es ist steil." Vor allem das letzte Stück vor dem Ausgang sei noch einmal besonders schwierig, weil es sich dabei um einen extrem langen, senkrechten Schacht handle.

Seit dem Aufbruch zur Reise zurück ans Tageslicht sei zunächst keine Kommunikation mehr mit Westhauser möglich. Die Retter hoffen jedoch, bald telefonisch Kontakt zu dem Verletzten aufnehmen zu können. "Das Höhlentelefon wird bis zum Patienten runterverlegt", sagte Schneider. Die Retter sollen, während sie in die Riesending-Schachthöhle steigen, Kabel verlegen. Bislang gebe es von dem Verletzten und seinen Ärzten nur "wortweise SMS-Meldungen" über ein spezielles Textsystem. "Wir haben immer wieder Zeiten, Stunden ohne Meldung."

Ansprechbar und kommunikationsfähig

Der 52-jährige Westhauser, der am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie als Techniker arbeitet, hatte am Sonntag durch einen Steinschlag ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und ist seitdem in der Höhle in 1000 Metern Tiefe bei Berchtesgaden gefangen.

Nach Angaben der Bergwacht und der Mediziner ist sein Zustand unverändert stabil. Er sei ansprechbar und kommunikationsfähig. Aber: "Der Patient ist noch lange nicht über den Berg, es können Komplikationen auftreten." Eigentlich müsste er auf der Intensivstation liegen.

Schneider, hatte zuvor gesagt, dass Westhauser in der Höhle voraussichtlich nicht operiert werden müsse. "Es kommt zu keiner Operation im Moment in der Höhle. Es ist auch nicht geplant", sagte er. Mittlerweile sei nicht mehr mit Schwellungen im Hirn des Forschers zu rechnen. Für den Fall, dass Westhausers Schädeldecke geöffnet werden müsse, liege aber ein Bohrer am Höhleneingang bereit.

Höhlentelefon verlegt

Auf einer Pressekonferenz sprachen die Helfer von einem ungewöhnlichen Einsatz. Normalerweise dauere eine Rettungsaktion Minuten oder Stunden, hieß es. Die Hilfsaktion für den Höhlenforscher zieht sich nun aber bereits seit Tagen hin. Zur Kommunikation wurde ein Höhlentelefon verlegt, mit dem man wortweise kommunizieren könne. Zur Sicherheit soll noch ein sogenannter Cave-Link hinzukommen. Mit dieser Technik können kurze Textmeldungen übertragen werden.

Mehrere Ärzte kümmern sich um den Forscher. Er soll künftig in einem Schichtsystem betreut werden. Derzeit ist ein österreichischer Mediziner bei dem Mann, sein italienischer Kollege befindet sich inzwischen auf dem Rückweg aus der Höhle. Ein deutscher Arzt steigt derzeit zur Unglücksstelle hinab. Zudem sind ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Bisher wurden bei den Rettungsarbeiten 4000 Meter Seil verbraucht. Teilweise mussten diese jedoch wegen Verschleißerscheinungen schon wieder ersetzt werden. Die Retter sprachen zudem von einem riesigen logistischen Aufwand und widrigsten Bedingungen bei dem Einsatz.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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