Panorama

Über 20 Jahre in der US-Todeszelle Debra Milke darf Gefängnis verlassen

Sie stand bereits kurz vor der Hinrichtung: Debra Milke saß 22 Jahre im Todestrakt eines US-Frauengefängnisses. Sie soll den Mord an ihrem eigenen Sohn in Auftrag gegeben haben. Jetzt gibt es neue Hoffnung für die gebürtige Berlinerin, die stets ihre Unschuld beteuerte.

Die Freiheit war schon einmal zum Greifen nah. Doch die Hoffnung auf ein Leben außerhalb der Gefängnismauern währte nicht lange. Jetzt gibt es erneut Hoffnung. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in einer US-Todeszelle darf die gebürtige Berlinerin Debra Milke während der Neuauflage ihres Prozesses auf freien Fuß kommen. Ein Gericht nahe Phoenix erlaubte der Zeitung "The Arizona Republic" zufolge die vorläufige Freilassung Milkes gegen eine Kaution in Höhe von 250.000 Dollar. Wann die 49-Jährige das Gefängnis verlassen soll, ist bislang nicht bekannt. Milkes Anwälte hatten erklärt, dass Unterstützer für die Kautionszahlung aufkommen würden.

Milke war 1990 gemeinsam mit zwei Männern wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Die Tochter eines US-Bürgers und einer Deutschen soll zwei Bekannte beauftragt haben, ihren vierjährigen Sohn zu töten. Milkes Verurteilung stützte sich damals auf die Aussage eines Polizisten, dem sie ihre Beteiligung angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen.

Drei Kugeln töten Vierjährigen

Debra Milke hatte stets ihre Unschuld beteuert. Doch für die Öffentlichkeit wurde sie schnell das Monster, das kaltblütig sein Kind aus dem Weg räumt. Es geschah am 2. Dezember 1989. Vor ihrer ärmlichen Appartementsiedlung in Phoenix setzt die alleinerziehende Mutter den herausgeputzten Christopher in ihr Auto. Ein befreundeter Mitbewohner und sein Kumpel wollen den Vierjährigen angeblich zum "Weihnachtsmann" in einem Einkaufszentrum fahren.

Doch das tatsächliche Ziel des Vietnam-Veteranen und seines Begleiters ist ein trockener Flusslauf in der Wüste. Dort strecken sie das Kind aus nächster Nähe mit drei Schüssen in den Hinterkopf nieder. Christopher wird als "vermisst" gemeldet.

30 Stunden später gesteht einer der Männer. Und belastet die Mutter des Kleinen. Sie habe die Männer zu der Tat angestiftet, weil sie der Junge zu sehr an den ihr verhassten Ex-Mann erinnert habe. Aus Christophers Lebensversicherung habe sie den Schützen einen Anteil als Lohn versprochen. Keiner der Männer bestreitet die Tat. Auch sie erhalten die Todesstrafe. Wer letztlich schoss, bleibt ungeklärt.

Falschaussage unter Eid

Die Geschworenen, die sie damals schuldig sprachen, erfuhren nicht, dass gegen den Polizisten eine lange Liste von Verfehlungen vorlag - darunter Falschaussage unter Eid. Nach jahrelangen Bemühungen von Milkes Anwälten kippte ein Bundesgericht in San Francisco im vergangenen März schließlich das Todesurteil. Die Staatsanwaltschaft von Maricopa County im Bundesstaat Arizona kündigte daraufhin eine erneute Anklage an. Als Termin für den Prozessbeginn war im Juli der 30. September festgelegt worden.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP/dpa

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