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"Alle Menschen willkommen" Ikea verteidigt Lesben-Zensur

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Und plötzlich waren sie verschwunden. In der russischen Ausgabe von "Family" fehlt die Geschichte über das britische Lesben-Pärchen.

(Foto: Ikea)

In seinem Kundenmagazin veröffentlicht Ikea eine Reportage über zwei Lesben. Für die russische Ausgabe wirft die Möbelkette die Geschichte aus dem Heft. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ikea gegen die eigenen Werte entscheidet.

Ein Dachgeschoss, ein Raum, eine Familie. "Das klappt wunderbar", das sagen Clara und Kirsty. Die beiden Britinnen stehen im Mittelpunkt einer Reportage des Ikea-Kundenmagazins "Family". Darin schildert das lesbische Paar, wie es in einem Loft in London mit Sohn Isaac zusammenlebt. Die Bilder von Clara und Kirsty bergen nichts Anstößiges. Und doch erschienen sie nicht weltweit. So flogen Clara und Kirsty kurzerhand aus der russischen Ausgabe. Ikea zensierte den Artikel, weil die beiden lesbisch sind.

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In Russland erwirtschaftet Ikea ordentliche Zuwächse.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Die schwedische Möbelkette verteidigt den Schritt. Der Text widerspreche der russischen Gesetzgebung, sagte Ikea-Sprecher Jens Hartmann n-tv.de. Man beruft sich dabei auf den umstrittenen Artikel 6.21, der erst im Juni 2013 eingeführt worden war. Homosexuelle Propaganda beziehungsweise Werbung für gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in Russland seitdem verboten. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 23.000 Euro oder sogar Haft.

Die Möbelkette wirbt gerne mit dem Slogan "Ikea heißt alle Menschen willkommen", aber wenn es ums Geschäft geht, regelt man dies sehr flexibel. Russland ist schließlich ein wichtiger Markt für den Konzern. Neben China erzielt man hier derzeit die stärksten Zuwächse. Hartmann erklärt: Ikea folge den Vorschriften in den Ländern, in denen man tätig sei. Auch so sei es möglich, entsprechend der eigenen Werte zu handeln und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben.

"Ein guter Test"

Für die Selbstzensur erntet das Unternehmen Kritik. "Ich finde es enttäuschend, dass Ikea so einfach aufgegeben hat", sagte die schwedische Gleichstellungsaktivistin Ulrika Westerlund. "Wenn Ikea den Beitrag nicht gestrichen hätte, wäre das ein guter Test gewesen."

Tatsächlich meidet Ikea nicht zum ersten Mal den Konflikt mit fragwürdigen Gesetzen. Im vergangenen Jahr fiel die Möbelkette gleich zweimal negativ auf. Damals löschte man ein Foto von der russischen Ikea-Webseite. Die Verbindung zwischen den darauf abgebildeten Jugendlichen mit ihren bunten Sturmmasken und der Polit-Punkband Pussy Riot war den eigenen Rechtsexperten wohl zu offensichtlich.

Nur eine Woche später ließ Ikea Bilder von Frauen aus seinem Saudi-Arabien-Katalog retuschieren. Auch diesmal unterwarf sich der Konzern nationalen Vorschriften, in diesem Fall über die Abbildung unbedeckter weiblicher Haut. Ikea-Sprecherin Yvla Magnusson zeigte sich damals selbstkritisch. Man habe erkennen müssen, dass der Ausschluss von Frauen aus dem Katalog in Konflikt mit den Werten von Ikea stehe. Sinnvoll sei etwa ein Verhaltenskodex, der die Diskriminierung wegen Geschlecht, Rasse, Religion, Behinderungen oder Sexualität ausschließt. Die Zensur der beiden Britinnen Clara und Kirty hat das auch über ein Jahr später nicht verhindert.

Quelle: n-tv.de

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