Panorama

Große Plage in Indien In Neu Delhi sind die Affen los

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(Foto: picture alliance / dpa)

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi leben 16 Millionen Menschen. Neuerdings sind die Bewohner nicht mehr unter sich. Die Stadt leidet unter einer Affenplage. Doch nun hat die Regierung eine eigenwillige Methode gefunden, um die tierischen Störenfriede loszuwerden.

Sie hängen an Stromkabeln und sitzen auf Mauern, mitten in der Millionenmetropole. In Neu Delhi freuen sich jedoch nur wenige Menschen über ihre wilden Mitbewohner. Viele versuchen verzweifelt, die lästigen Affen loszuwerden. Bisher vergeblich. Die indische Hauptstadt leidet seit Langem unter einer Plage.

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Auf der Jagd nach Futter: Rhesusaffen auf einer Kreuzung in Neu Delhi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als 25.000 sollen es im Stadtgebiet sein, eine offizielle Zahl gibt es nicht. Die Tiere müssen ihr Revier mit mittlerweile mehr als 16 Millionen Menschen teilen, die sich auf dem engen Raum der Stadt drängen. Zudem wächst die Metropole an ihren grünen Rändern, an denen die Affen früher ungestört blieben. Viele Bewohner haben ein Problem mit den Affen: Auf der Suche nach Nahrung kommen sie in Wohngebiete, stehlen Essen und erschrecken Anwohner im Treppenhaus. Die Tiere dringen in Büros der Regierung ein und zerfleddern Akten, sie springen in Wohnungen und demolieren die Einrichtung.

Immer wieder werden sie eingefangen und in einen nahegelegenen Naturpark gebracht, doch gibt es in der Stadt einfach mehr zu fressen. Lokale Medien berichten immer wieder von Affenbissen. Einige Ministerien weisen ihre Mitarbeiter an, die Fenster geschlossen zu halten. "Sie beißen, wenn man sie provoziert, manchmal auch nur, weil man sie streicheln will. Das Problem ist vor allem, dass die Leute nicht wissen, wie man sich gegenüber Wildtieren verhält", sagt Sonya Ghosh, Tierrechtsaktivistin aus Delhi.

Nur acht Affenfänger

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Languren sind größer als normale Affen und könnten ihre Artgenossen vertreiben - wenn dies nicht verboten wäre.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Bereits 2007 wies Delhis höchstes Gericht die städtischen Behörden an, sich um die Affenplage zu kümmern. Seitdem hat Delhis Forst- und Wildtieramt das Füttern untersagt. Viele Gläubige steckten den Plagegeistern regelmäßig Futter zu, weil der Gott Hanuman in Gestalt eines Affen erschien. Man einigte sich nun darauf, die Tiere in das Asola Tierschutzreservat südlich der Stadt zu bringen. Nach einem Bericht der "Times of India" gibt es bis heute allerdings nur acht offizielle Affenfänger. "Die Tierfänger sind nicht richtig ausgebildet. Sie trennen bestehende Gruppen und machen die Affen nur noch aggressiver", beklagt Ghosh.

Frustrierte Bewohner versuchten bereits, die Affen mit Affen zu bekämpfen: Sie riefen Languren-Halter, die mit ihren größeren, schwarzgesichtigen Jagdaffen die kleineren Artgenossen vertreiben. Doch seit 2012 ist die Haltung von Languren aus Tierschutzgründen untersagt und diese Methode der Affenbekämpfung offiziell nicht mehr möglich. Auch die Zwangsumsiedlung in den Naturpark löst das Problem nicht. "Wir haben bereits rund 17.000 Affen hier ausgesetzt, jeden Monat bringen die Fänger 50 bis 100 Tiere her", sagt ein Ranger des Parkes. "Sie bekommen Futter von uns. Aber wir können sie nicht zwingen, hier zu bleiben."

Nun probiert die Stadt dem Problem auf andere, unkonventionelle Weise Herr zu werden - mit Affendarstellern. Die laufen durch das Regierungsviertel, springen hinter Büschen hervor und kreischen wie Languren. 40 ausgebildete Männer werden eingesetzt und werden von der Stadtverwaltung Delhis offiziell angestellt. Mit Erfolg, wie "Times of India" berichtet. Während Neu Delhi das Problem langsam in den Griff bekommt, hat man sich in den Ministerien längst an die Affen gewöhnt. Wenn jemand Unterlagen nicht finden kann, heißt es unter den Beamten in diesen Tagen häufig: Die haben die Affen gestohlen. Mit dieser dankbaren Ausrede könnte es bald vorbei sein - wenn das mit den Affendarstellern wirklich zieht.

Quelle: ntv.de, cro/dpa

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