Panorama

Läden wegen Corona geschlossen Inder greifen zu tödlichem Ersatzgetränk

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In Indien floriert das Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol.

(Foto: picture alliance / dpa)

Durch die Corona-Pandemie bleiben auch in Indien viele Läden geschlossen - darunter auch Spirituosengeschäfte. Die Bevölkerung greift zu Alternativen aus Frostschutz- und Desinfektionsmitteln - mit tödlichen Folgen.

Weil die Spirituosenläden und Bars in ihrem Dorf im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh wegen Corona geschlossen sind, hat eine Gruppe von Dorfbewohnern zu einem hochgiftigen Ersatzgetränk gegriffen. Neun Menschen hätten eine "große Menge" Desinfektionsmittel mit Limonade oder Cola gemischt und getrunken, sagte der Polizei-Chef von Kurichedu, Siddhart Kaushal, der Nachrichtenagentur AFP.

Nach dem Genuss des Gebräus wurden sie demnach ohnmächtig, im Krankenhaus konnte dann nur noch ihr Tod festgestellt werden. Die Polizei leitete Ermittlungen zur Todesursache ein. Die Spirituosengeschäfte in Kurichedu waren im Zuge der Corona-Einschränkungen geschlossen worden.

Indien ist eines der von der Pandemie am meisten betroffenen Länder der Welt. Am Freitag überschritt die Zahl der Todesopfer die Marke von 35.000, damit starben auf dem Subkontinent mehr Menschen an dem Virus als in Italien. Rund 1,63 Millionen Menschen sind mit Corona infiziert, höher sind die Zahlen nur in den USA und Brasilien.

Selbstgebraut mit Frostschutzmittel

In Indien floriert gerade das Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol, weil er deutlich günstiger ist als der kommerziell produzierte. Mindestens 21 Menschen waren jüngst nach dem Trinken von giftigem Alkohol im Bundesstaat Punjab gestorben. Bei den Toten handelte es sich um Dorfbewohner - hauptsächlich arme Bauern und Arbeiter. Der Regierungschef von Punjab kündete an, die Hersteller des illegal gebrauten Alkohols hart zu bestrafen.

Der selbstgebraute Alkohol enthält oft Methanol, eine Chemikalie, die beispielsweise in Frostschutzmittel verwendet wird. Jährlich sterben im 1,3-Milliarden-Einwohnerland laut Regierungsangaben rund eintausend Menschen nach dem Genuss solcher Spirituosen.

Quelle: ntv.de, mba/dpa/AFP