Bayreuther FestspieleIntendantin Wagner berichtet von sexuellen Übergriffen

In wenigen Tagen eröffnen "Tristan und Isolde" die Bayreuther Festspiele. Doch kurz vor dem Start überschatten Sexismusvorwürfe die Kulturveranstaltung. Intendantin Katharina Wagner bestätigt, dass sie diese selbst erlebt habe.
Katharina Wagner hat nach eigenen Angaben als Intendantin der Bayreuther Festspiele "sexuelle Anzüglichkeiten und teilweise Übergriffe in gewisser Weise" erlebt. "Ich habe mich aber zu wehren gewusst", sagte sie.
Zuvor hatte der "Nordbayerische Kurier" von körperlichen Übergriffen auf Frauen, Beleidigungen und sexistischen Sprüchen auf dem Grünen Hügel berichtet, von denen auch Wagner selbst betroffen gewesen sein soll.
"Wir werden den Vorwürfen umgehend nachgehen und bitten Betroffene, sich direkt bei der Geschäftsführung zu melden", sagte Festspielsprecher Hubertus Herrmann nach Bekanntwerden des Berichts. "Es werden keinerlei Beleidigungen oder tätliche Übergriffe geduldet."
Die Berichterstattung habe die Festspielleitung "sehr bewegt und tatsächlich überrascht, da betriebsintern keine Informationen zu eventuellen Übergriffen bekannt sind", so Herrmann. Bisher hätten sich zwar noch keine Betroffenen bei der Festspielleitung gemeldet. Sollten sich die Vorwürfe aber bewahrheiten, kündigte Wagner sofortige personelle Konsequenzen an.
Bund fordert Aufklärung
Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen betonte, dass man die Vorwürfe und Berichte ernst nehmen müsse. "Ich gehe davon aus, dass die Leitung der Bayreuther Festspiele den Vorgängen mit Nachdruck nachgehen und die notwendigen Konsequenzen ziehen wird. Sexuelle Übergriffe, egal ob verbal oder körperlich, sind absolut inakzeptabel und dürfen nicht ungeahndet bleiben", teilte Roth in Berlin mit. Der Bund ist Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH.
Ein anderer Gesellschafter ist die Stadt Bayreuth. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger von der CSU sagte: "Sexuelle Belästigungen und Übergriffigkeiten jeder Art gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verdienen ein klares Stopp-Signal. Dabei ist es völlig irrelevant, ob sie in einem international renommierten Kulturbetrieb, wie es die Bayreuther Festspiele sind, vorkommen, oder im täglichen Arbeitsleben andernorts, in der Schule oder im Verein." Dass die Festspielleitung angekündigt hat, den Vorwürfen "mit allem Nachdruck" nachzugehen, halte er für "den richtigen und angemessenen Schritt".
"Da ist überhaupt nichts dran"
In der Kritik steht laut "Nordbayerischem Kurier" auch der frühere Musikdirektor der Festspiele, Christian Thielemann. Er soll Musiker angeschrien und beleidigt haben - ein Vorwurf, den der Star-Dirigent vehement zurückweist: "Da ist überhaupt nichts dran", sagte er und sprach von einem "Missverständnis".
Die ungetrübte Vorfreude auf vier Wochen Festspielzeit in Bayreuth ist jedenfalls dahin. Dabei sollte es eine Saison der Superlative werden. Gleich fünf Neuproduktionen stehen auf dem Programm, neben dem vierteiligen "Ring des Nibelungen" eröffnen die Festspiele am Montag mit einer Neuinszenierung von "Tristan und Isolde": Es gibt in diesem Jahr so viel Neues zu sehen wie noch nie in der Geschichte des Opernspektakels. Fünf neue Opern auf einen Streich.