Panorama

Abschied einer Bühnenlegende Johannes Heesters ist tot

108 Jahre alt ist er geworden: Am Heiligabend verließ Johannes "Jopie" Heesters die Kraft. Der Sänger und Schauspieler starb im Klinikum Starnberg. Der gebürtige Niederländer war vor allem für seine Operettenrollen bekannt. Die Reaktionen auf seinen Tod fallen in Deutschland und den Niederlanden höchst unterschiedlich aus.

Johannes Heesters ist tot. Der Sänger und Schauspieler starb im Alter von 108 Jahren im Klinikum Starnberg, wie der Geschäftsführer der Klinik, Thomas Weiler, bestätigte: "Herr Heesters ist am Heiligen Abend, 24. Dezember 2011, um 10.15 in Beisein seiner Ehefrau Simone Rethel und seiner Enkelin Wiesje Herold friedlich verstorben." Heesters war am 17. Dezember mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen und lag seitdem auf der Intensivstation. Untersuchungen hätten die Diagnose eines schweren Schlaganfalls bestätigt, hieß es.

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Johannes Heesters wie ihn seine Fans liebten: Im Frack und Zylinder

Heesters, der erst am 5. Dezember seinen Geburtstag gefeiert hatte, galt als der wahrscheinlich älteste aktive Schauspieler der Welt und gehörte zu den populärsten Bühnendarstellern des 20. Jahrhunderts. Vor allem durch zahlreiche Operettenrollen wurde er bekannt. Seine Paraderolle war der leichtlebige Graf Danilo aus Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe". Aber auch auf der Leinwand war Heesters in zahlreichen Filmen zu sehen wie "Gasparone", "Hallo Janine" und "Die Csardasfürstin".

In Deutschland hatte der genürtige Niederländer noch fast bis zuletzt öffentliche Auftritte mit Bravour absolviert. Einen seiner letzten großen Erfolge feierte Heesters 2008 im Singspiel-Klassiker "Im weißen Rössl" in Hamburg als uralter Kaiser Franz Joseph. Kurz vor seinem 108. Geburtstag am 5. Dezember hatte Heesters einen Schwächeanfall erlitten und musste im Krankenhaus ärztlich versorgt werden.

Zuvor hatte er noch in einem Kurzfilm die Rolle des Petrus übernommen, der Ende November in München Premiere hatte. Auch die Verfilmung einer Tschechow-Erzählung stand zuletzt noch in seinem Terminkalender. Im Juli 2010 war Heesters im Berliner Ensemble in einer kleinen Rolle als greiser König in einem Stück von Rolf Hochhuth umjubelt worden. Einen der letzten großen Erfolge feierte Heesters im Singspiel-Klassiker "Im Weißen Rössl" 2008 in Hamburg als greiser Kaiser Franz Joseph.

Heesters soll am Freitag auf dem Münchener Nordfriedhof beigesetzt erden. Die Trauerfeier beginne um 11.00 Uhr, sagte der Inhaber des Starnberger Beerdigungsinstituts Zirngibl, Rudolf Zirngibl. "Es wird eine große Trauerfeier." Ein katholischer Pfarrer aus Heesters' Wohnort Starnberg werde die Predigt halten.

Gemischte Reaktionen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Johannes Heesters als "Grandseigneur der leichten Muse". Mit seiner einzigartigen Bühnenausstrahlung habe er die Herzen des Publikums erobert. "Charme, Eleganz und Leichtigkeit waren sein Markenzeichen", hob Seehofer in einer Mitteilung am Heiligabend hervor. "Mit seiner optimistischen Ausstrahlung und Lebensbejahung, die ihn bis ins hohe Alter nicht verließen, hat Johannes Heesters vielen Menschen Freude bereitet und Mut gemacht. Sein Publikum hat ihn verehrt und geliebt."

In den Niederlanden wurde der Tod Heesters dagegen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits wurde der Landsmann als großer Künstler gewürdigt. Doch erheblich stärker als in Deutschland spielte in den Kommentaren Heesters umstrittenes Verhalten während der Nazi-Zeit eine Rolle. Dabei wurde auf den umstrittenen Besuch des auch bei Nazi-Größen beliebten Operettenstars im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 verwiesen. Der Künstler habe wohl "keine blasse Ahnung" gehabt, wie problematisch seine Auftritte in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat gesehen wurden, hieß es beim angesehenen Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD). "Auch nach seinem Tod kann man das nicht anders als dumm nennen", sagte NIOD-Sprecher David Barnouw.

Pieter Erkelens, der frühere Direktor des Theaters "De Flint" in Heesters Heimatstadt Amersfoort, sagte hingegen: "Es gibt nur wenige Niederländer, die international gesehen so viel Wertschätzung für ihr Werk erfahren haben." Und: "Wir müssen als Niederländer stolz sein auf so ein Toptalent." Wenn es um den Zweiten Weltkrieg gehe, seien Niederländer oft "päpstlicher als der Papst". Die Kompromisse, die Heesters damals eingegangen sei, "um weiterhin in Deutschland auftreten zu können, sind sehr begreiflich".

Dagegen nannte der Kabarettist Theo Nijland den Verstorbenen eine "unmoralische Figur, die zum Teil in einer Märchenwelt lebte". In einem Nachruf der niederländischen Nachrichtenagentur ANP hieß es: "Einige Niederländer konnten Heesters wahrlich nicht ausstehen. Er arbeitete auch im Krieg weiter in Deutschland. Er hatte nur seine eigene Karriere im Sinn, und da bekam er zusätzlich Chancen, weil andere Tenöre Deutschland verließen."

Quelle: n-tv.de, sla/dpa

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