Panorama
Sonntag, 18. Dezember 2011

Missbrauch vor 30 Jahren: Kirche schickt Priester in Rente

Mit Ende 20 hatte ein Geistlicher homosexuelle Kontakte zu einem Jugendlichen. Ein klarer sexueller Missbrauch. Obgleich der heute 59-jährige Priester schon damals "dieses Übel" in einer Therapie "aktiv und bewusst aufarbeitet", setzt ihn die Kirche heute vor die Tür. Neue Leitlinien der katholischen Deutschen Bischofskonferenz verlangen dies.

Sexuelle Kontakte zu einem minderjährigen Jugendlichen hat ein 59 Jahre alter Priester im Bistum Würzburg gestanden. Wie das Bischöfliche Ordinariat mitteilte, hat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann den Geistlichen mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben entbunden und in den Ruhestand versetzt. Bischof Hofmann folge damit den 2010 überarbeiteten Leitlinien der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche.

Fall liegt bereits 30 Jahre zurück

Die entsprechenden Vorwürfe waren bei Prof. Klaus Laubenthal eingegangen – der Jura-Professor an der Würzburger Universität ist Ansprechpartner der Diözese Würzburg für Opfer sexuellen Missbrauchs. Dieser habe den Bischof und dessen Generalvikar Karl Hillenbrand am vergangenen Montag informiert. "Da die Vorwürfe knapp 30 Jahre zurückliegen, sind sie im strafrechtlichen Sinne verjährt", sagte Laubenthal laut Mitteilung des Ordinariats. Der Beschuldigte habe die Vorwürfe in einem Gespräch mit Hillenbrand und Laubenthal eingeräumt.

Der 59 Jahre alte Priester im Landkreis Main-Spessart stelle sich "in vollem Umfang" seiner Verantwortung für die damaligen Vorfälle. "Ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen, wenn diese für mich auch äußerst gravierend sein werden. Ich habe schon damals mein Fehlverhalten zutiefst bedauert und in einer Psychotherapie dieses Übel aktiv und bewusst aufgearbeitet", schrieb der Priester in einem Brief an seine Pfarrgemeinden.

Quelle: n-tv.de