Panorama
Donnerstag, 18. Mai 2006

Ostseewal stirbt aus: Kleiner Tümmler in großer Not

Die einzige Walart in der Ostsee ist weiter stark vom Aussterben bedroht und kann nach Einschätzung von Experten nur bei deutlicher Einschränkung der Fischerei überleben. Von dem bis zu 1,60 Meter langen Schweinswal - auch Kleiner Tümmler genannt - gebe es nach Schätzungen in der westlichen Ostsee 800 bis 2000 und in der östlichen und zentralen Ostsee nur noch 100 bis 600 Tiere, sagte der Stralsunder Meeresbiologe Stefan Bräger am Donnerstag in Kiel. Reservate ohne Motorsport und konventionelle Fischerei seien unerlässlich. "Einzelne Schutzgebiete allein reichen aber nicht aus, weil diese Art in der Ostsee wandert." Viele Tiere sterben in Treibnetzen.

Dem kleinen Wal machten unter anderem Schadstoffe, Motorsportgeräusche und Unterwasserschall auch von der Marine zu schaffen. Der Tod als sinnloser Beifang sei jedoch die wichtigste Ursache für die Bedrohung der Tiere, sagte die Biologin und Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer. "Die Tiere können die modernen Nylongarne weder sehen noch orten. Sie verheddern sich und ertrinken." Tierschützer kritisieren in diesem Zusammenhang vor allem Treib- und Stellnetze und fordern Langleinen und Reusen. Aus Reusen könnten Wale entweder entkommen oder lebendig gerettet werden.

"Es sterben mehr Tiere als geboren werden", bilanzierte Deimer. Der Schweinswal ist erst nach rund vier Jahren geschlechtsreif. Zwar seien Treibnetze vom übernächsten Jahr an in der EU verboten und auch einzelne Schutzgebiete geplant. Generell sei aber eine Beschränkung des aggressiven Fischfangs in der Ostsee nötig, sagte die GSM-Chefin.

Seit Jahren versuchen Meereskundler, Lebensräume der seltenen und scheuen Tiere geographisch auszumachen. Segler meldeten Schweinswal-Sichtungen der GSM, sagte Bräger. Aufschlussreiche Daten lieferten zugleich Unterwasserstationen. Dort werden Frequenzen der Wale erkannt und aufgezeichnet. Nach den Erkenntnissen kommt der Schweinswal in deutschen Gewässern am häufigsten in der Kieler Bucht vor, vor allem in der Flensburger Förde und westlich von Fehmarn wurden Tiere gesichtet, vor Vorpommern dagegen nur wenige.

Quelle: n-tv.de