Panorama

Sektions-Ergebnis Knut hatte einen Hirn-Defekt

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Eisbär "Knut", aufgenommen am 18. Februar 2011 im Zoo Berlin.

(Foto: dpa)

Der Berliner Eisbär Knut ist nicht an Stressfolgen, sondern bei einem Anfall gestorben, der durch eine Erweiterung der Hirnwasserkammern ausgelöst wurde. Das ist das Ergebnis der Sektion im Berliner Leibniz-Institut.

Eisbär Knut ist an einer tödlichen Hirnveränderung gestorben - und nicht an Stressfolgen oder einem Gendefekt. Die Analyse im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung hat eine folgenschwere Erweiterung der Hirnwasserkammern ergeben. Knut starb bei einer Art Anfall schnell, war aber beim Sturz ins Wasser nicht sofort tot. Todesursache war aber nicht Ertrinken.

Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz soll am Donnerstag im Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) alle Daten erhalten. Über eine vom IZW für Donnerstag erhoffte Pressekonferenz werde erst danach entschieden, sagte Blaszkiewitz. "Es ist doch klar: Wie und wann alles veröffentlicht wird, ist ganz allein unsere Sache", betonte der Zoo-Direktor. Experten aus dem wissenschaftlichen Institut ließen dagegen intern verlauten, ihr Interesse sei eine möglichst frühe und umfassende Unterrichtung.

Debatte unter den Fans

Um die Ursache für den Tod Knuts am Nachmittag des 19. März im Zoologischen Garten hatte es zahlreiche Spekulationen und emotionale Debatten unter den Fans in der ganzen Welt gegeben. Im Alter von nur vier Jahren war der Eisbär in seinem Gehege zusammengezuckt, hatte sich mehrmals im Kreis gedreht, war ins Wasser gefallen und vor den Augen mehrerer Hundert Besucher gestorben.

Nun gibt es unter anderem Diskussionen darüber, was mit seinem Fell passieren soll. Im Internet mehren sich die Stimmen gegen den bisherigen Plan des Zoos, es auszustopfen und im Naturkundemuseum zu präsentieren. Viele Fans halten das für "pietätlos". Für diesen Samstag sei sogar eine Demonstration vor dem Zoo-Haupteingang angemeldet, bestätigte die Polizei.

Nach dpa-Informationen hatte Knut angesichts der schweren Hirnerkrankung keine Überlebenschance. Die Druckverhältnisse im Gehirn seien so dramatisch verändert gewesen, dass das Tier unvermeidlich auch gestorben wäre, wenn es festen Boden unter den Füßen behalten hätte und nicht ins Wasser gestürzt wäre. Solche Veränderungen der Hirnkammern treten auch bei anderen Tierarten und beim Menschen auf, die Ursachen sind unterschiedlich.

Keine Hinweise auf starken Stress

Hinweise auf starken Stress wurden bei der Analyse von Hirnschnitten und anderen Organen nicht gefunden. Solche Spuren hätten sich zum Beispiel in den Nebennieren finden können. Zahlreiche Knut-Fans und Zoo-Besucher hatten über längere Zeit Kritik daran geübt, dass Knut von den drei Eisbärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha "gemobbt" worden sei.

Auch Hinweise auf einen epileptischen Anfall oder auf klassische Gen-Defekte wurden nicht gefunden. Tierschutz-Organisationen hatten Vermutungen angestellt, der Tod sei die Folge von Inzest. Von neun Eisbären, die Knut-Vater Lars gezeugt hat, sind sieben vorzeitig gestorben. Lars soll selbst aus einer Inzucht-Verbindung stammen.

Quelle: ntv.de, dpa