Panorama

Pädophile Präferenz Leben mit einer problematischen Sexualität

Die meisten Erwachsenen suchen auch erwachsene Sexualpartner. Was aber, wenn sich das Interesse immer wieder auf Kinder richtet? Fragen und Antworten zu Pädophilie.

Was ist Pädophilie?

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Werbung für das Präventionsprogramm "Kein Täter werden".

(Foto: picture alliance / dpa)

Prinzipiell bezeichnet Pädophilie die sexuelle Erregbarkeit durch Kinder, die noch nicht in der Pubertät sind. Es ist zunächst einmal eine sexuelle Orientierung. Als psychische Störung gilt Pädophilie erst dann, wenn der Drang nach einer sexuellen Beziehung zu Kindern dauerhaft ist. Die betroffene Person muss mindestens 16 Jahre alt sein. In der "Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" stuft die Weltgesundheitsorganisation Pädophilie als Störung der Sexualpräferenz ein. Für sexuelle Handlungen an oder mit Kindern verwenden Mediziner den Begriff der Pädosexualität. Dieser entspricht dem juristischen Tatbestand des Kindesmissbrauchs.

Wie wird die Diagnose gestellt?

In einem standardisierten klinischen Interview werden zahlreiche Informationen zum sexuellen Erleben und Verhalten erhoben. Hinzu kommen psychodiagnostische Fragebögen und Tests. Die Kriterien sind in international anerkannten diagnostischen Leitlinien festgelegt, das wichtigste ist die sexuelle Erregbarkeit eines Erwachsenen durch Kinder.

Was ist die Ursache für Pädophilie?

Darüber sind sich die Forscher nicht einig. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Sexualwissenschaftler diskutieren unter anderem Entwicklungsauffälligkeiten des Gehirns, hormonelle und Neutrotransmitterauffälligkeiten, frühe Bindungs- und Beziehungsstörungen sowie eigene sexuelle Missbrauchserfahrungen. 2012 gelang es per Hirnscan an der Kieler Uniklinik, mit einer Genauigkeit von 95 Prozent Pädophile von Nichtpädophilen zu unterscheiden. In einem groß angelegten Forschungsvorhaben untersuchen Wissenschaftler derzeit mögliche neurobiologische Ursachen.

Ist Pädophilie heilbar?

Pädophilie ist grundsätzlich nicht heilbar. Die Neigung besteht nach bisherigem Forschungsstand ein Leben lang. Allerdings können Betroffene in Präventionsprogrammen wie "Kein Täter werden" der Berliner Charité lernen, ihren Trieb soweit zu kontrollieren, dass sie keine Übergriffe auf Kinder begehen. Dabei geht es um eine angemessene Wahrnehmung und Bewertung sexueller Wünsche und Bedürfnisse, um gefährliche Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu verlassen. Dazu gehören auch mögliche Medikamentengaben zur Unterdrückung des sexuellen Verlangens, aber auch der Verzicht auf den Konsum von kinderpornografischen Bildern.

Welche Rolle spielt Kinderpornografie für Pädophile?

Die meisten Pädophilen nutzen Kinderpornografie, um ihre Sexualität auszuleben. Forschern zufolge entsteht aus dem Konsum von Fotos oder Filmen allerdings eine Sogwirkung. Das heißt, die Männer geraten damit verstärkt in die Gefahr, ihre Fantasien auch in die Tat umsetzen zu wollen.

Sind nur Männer betroffen?

Nein, aber der Anteil von pädophilen Frauen ist äußerst gering. In der Forschungsliteratur werden nur wenige Einzelfälle beschrieben.

Wie viele Pädophile gibt es?

Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler Menschen an der Bevölkerung ist, gibt es nicht. Dem Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden" zufolge gehen Forscher von etwa 1 Prozent pädophilen Männern aus. Das wären auf 30 Millionen Männer zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland hochgerechnet etwa 300.000 pädophil orientierte Männer. Sie sind in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten und in allen Beziehungskonstellationen.

Sind Menschen, die Kinder sexuell missbrauchen, prinzipiell pädophil?

Nur die wenigsten Täter, die Kinder sexuell missbrauchen, sind pädophil. Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder geschehen aus anderen Gründen. Als wesentliches Motiv für viele Taten gilt der Wunsch des Täters, Macht auszuüben und durch die Tat ein Gefühl der Überlegenheit zu erleben. Übergriffe können jedoch auch in gestörten sozialen Verhältnissen, oft unter Einfluss von Drogen und Alkohol geschehen. Außerdem können Perversionen, wie der Drang, andere Menschen zu quälen, Auslöser für Kindesmissbrauch sein.

Missbrauchen alle Pädophilen Kinder?

Viele Pädophile sind sich bewusst, dass sie ihre auf Kinder gerichteten sexuellen Fantasien nicht ausleben können, ohne den Kindern großen Schaden zuzufügen und mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Präventionsmaßnahmen sind vor allem darauf ausgerichtet, pädophil veranlagten Menschen ein Problembewusstsein zu vermitteln, um sexuellen Übergriffen vorzubeugen. Zu den Verhinderungsstrategien kann auch eine medikamentöse Behandlung gehören.

Quelle: ntv.de