Panorama

Ein "merkwürdiger" Typ Lehrer stand unter Beobachtung

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Mahntafeln "gegen Vergessen und Verdrängen" von Missbrauchsopfern stehen nahe der Odenwaldschule an einer Straße.

(Foto: dpa)

Als "manchmal merkwürdig und komisch" beschreiben Schüler der Odenwaldschule ihren Lehrer, der unter Kinderporno-Verdacht entlassen worden war. Demnach hatte der Lehrer schon länger unter Beobachtung gestanden - allerdings ohne Erfolg.

Ein wegen Kinderporno-Verdachts entlassener Lehrer der südhessischen Odenwaldschule ist bereits seit Längerem von der Internatsleitung beobachtet worden. Schüler hätten auf den 32-Jährigen hingewiesen und ihn als "manchmal merkwürdig und komisch" bezeichnet, teilte Schulsprecherin Gertrud Ohling-von Haken mit. Näher hätten die Schüler diese Beobachtung nicht beschreiben können. "Wir sind aber jedem der Hinweise nachgegangen", sagte die Sprecherin. Die Wohnung des Lehrers war wegen des möglichen Besitzes von Kinderpornos am 9. April durchsucht worden, die Schule hatte dem Pädagogen fristlos gekündigt.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der betreffende Lehrer verweigere die Zusammenarbeit mit der Polizei. Zuvor war die Wohnung des Mannes durchsucht worden. Die Auswertung der dabei sichergestellten Computer und Datenträger sei komplex und werde etwa sechs Monate dauern.

Die Ermittlungen waren jedoch erst ins Rollen gekommen, nachdem in Australien ein Forum zu Kinderpornografie ausgehoben worden war und dabei eine E-Mail-Adresse des Lehrers auftauchte. Dem Sprecher zufolge wurden bei der Durchsuchung keine belastenden Bilder gefunden.

Opfervertreter wollen Schulschließung

Die als Reformschule für ihre alternativen Bildungsansätze bekannte Einrichtung in Südhessen war 2010 in die Schlagzeilen geraten, als aufgedeckt wurde, dass dort jahrzehntelang Kinder massenhaft sexuell missbraucht worden waren. Die Privatschule hatte anschließend eine öffentliche Entschuldigung abgegeben und eine konsequente und lückenlose Aufarbeitung zugesagt.

Einige Opfer-Vertreter haben den Glauben an die Erneuerung der Schule verloren. "Die Missbrauchsmöglichkeiten an der Odenwaldschule sind systemimmanent und die Täter suchen sich solche Orte immer ganz genau aus", sagt auch der Vorsitzende des Opfervereins Glasbrechen, Adrian Koerfer. Er fordert das Aus der Schule.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa

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