Panorama

Zu Gefängnisstrafe verurteilt Lokführer inszenierte Gullydeckel-Anschlag

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Die Frontscheibe des Zuges wurde bei dem gestellten Angriff zerstört.

(Foto: dpa)

War es ein Mordanschlag oder eine Amoklage, als zwei Gullydeckel in Hessen auf einen Zug krachten? Nichts davon trifft auf den Vorfall im April 2019 zu. Tatsächlich war der Angriff vom Lokführer selbst inszeniert. Sein Motiv bleibt aber auch im Prozess unklar.

Im Prozess um einen inszenierten Gullydeckel-Anschlag auf einen Zug der Hessischen Landesbahn ist der Lokführer zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht in Bad Berleburg sah es als erwiesen an, dass der heute 50-Jährige die Falle mit zwei Kanaldeckeln selbst konstruiert und an einer Brücke aufgehängt hatte. Der Zugführer erhielt ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im April 2019 waren bei Siegen nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen zwei schwere Gullydeckel in die Frontscheibe der Regionalbahn gekracht. Der Lokführer in dem frühmorgens noch unbesetzten Zug blieb bei dem Vorfall unverletzt. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Zugführer das Ganze "aus nicht bekannter Motivlage" inszeniert. Er sei Täter, nicht Opfer. Der Mann hatte den Tatvorwurf zurückgewiesen.

Das Gericht verurteilte den Mann wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Das Strafmaß entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. In dem weit über NRW hinaus Aufsehen erregenden Fall waren zunächst eine Amoklage und ein Mordanschlag nicht ausgeschlossen worden. Dann fiel der Verdacht auf den Zugführer selbst. An den Seilen, an denen die Kanaldeckel befestigt waren, hatten Ermittler seine DNA-Spuren gefunden.

Das Urteil stützte sich vor allem auf die DNA-Spuren sowie auf Gutachten zu Faserspuren, die dem 50-Jährigen zugeordnet wurden. Ermittler entdeckten die DNA des Mannes an den Gullydeckeln, an Seilen und an Seilknoten, von denen Teile nach dem Vorfall noch hoch oben am Brückengeländer hingen, wie der Gerichtssprecher schilderte. In dem Prozess, der vor zwei Wochen begonnen hatte, waren als Zeugen zahlreiche Polizeibeamte sowie Gutachter befragt worden.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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