Panorama
Sonntag, 01. November 2009

Und noch ein Nazi-Vergleich: Meisner diesmal gegen Dawkins

Schon mehrfach hat der Kölner Erzbischof Joachim Meisner mit Nazi-Vergleichen Aufsehen erregt - jetzt ist es wieder soweit. Diesmal rückt er das Weltbild des Evolutionsbiologen Richard Dawkins in die Nähe zur NS-Ideologie.

Joachim Meisner zieht den Nationalsozialismus gern mal zu Vergleichen heran. Er kann sich offenbar nicht vorstellen, dass dies die Nazi-Verbrechen verharmlost.
Joachim Meisner zieht den Nationalsozialismus gern mal zu Vergleichen heran. Er kann sich offenbar nicht vorstellen, dass dies die Nazi-Verbrechen verharmlost.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als 'Verpackung der allein wichtigen Gene', deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei", sagte der 75-jährige Kardinal nach dem vorab verbreiteten Text seiner Allerheiligenpredigt im Kölner Dom.

Der Oxford-Professor und Bestseller-Autor Dawkins ist ein scharfer Religionskritiker. Mit Büchern wie "Der Gotteswahn" will er möglichst viele Menschen vom Atheismus überzeugen. Religion ist nach Ansicht von Dawkins gefährlich - sie unterdrückt die Menschen und hetzt sie gegeneinander auf.

Meisners Nazi-Vergleiche sind gefürchtet. So bezeichnete er religionsferne Kunst als "entartet" und zog Parallelen zwischen Abtreibungen und Holocaust. Dieses Mal hat er es auf Dawkins und auch auf den Philosophen Peter Singer abgesehen: "Seinem (Dawkins') australischen Mitstreiter Peter Singer ist ein Schwein oder Affe wertvoller als ein hilfloses Baby oder ein altersschwacher Mensch, welche prinzipiell getötet oder dem Zugriff der Forschung verfügbar gemacht werden dürfen, wenn nicht Interessen Angehöriger entgegenstünden", so Meisner. "Das ist keine Horrormalerei, die hier vorgenommen wird, sondern das ist eine schaurige Gegenwart."

Wie schon die Kommunisten in der DDR wollten nun auch die atheistischen Wissenschaftler den Menschen weismachen, "dass es keinen Gott gibt und deswegen auch nicht Wahrheit oder Lüge, Gut oder Böse", sagte Meisner. "Das System des Nationalsozialismus und des Kommunismus im vergangenen Jahrhundert hat uns gezeigt, wohin das führt: an den Rand des Abgrunds, in letzter Konsequenz zur Abschaffung des Menschen. Dafür stehen die KZs und Gulags."

"Würde nur durch Gott"

Die Würde jedes einzelnen Menschen - egal ob krank, behindert oder dement - könne substanziell nur dadurch begründet werden, dass er ein Ebenbild Gottes sei. Daran gekoppelt sind für Meisner ein klares Wertesystem mit Unterscheidungen in Gut und Böse und der freie Wille des Menschen. All das werde von Hirnforschern und Evolutionisten aber infrage gestellt. Meisner: "Der positivistische Materialismus und Evolutionismus der neuen Atheisten möchte - zusammen mit dem Glauben an Gott - auch die christliche Sicht des Menschen als Ebenbild Gottes und vernunftbegabte moralische Person ausmerzen."

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Quelle: n-tv.de