Panorama

Massive Probleme am Warntag Ministerium: Probealarm "fehlgeschlagen"

Mit einem bundesweiten Probealarm sollen in Deutschland die Warnsysteme getestet und die Bürger sensibilisiert werden. Doch am Vormittag läuft nicht alles nach Plan. Bei der Verbreitung der Warnmeldung kommt es teilweise zu erheblichen Verzögerungen. Das Innenministerium zieht eine ernüchternde Bilanz.

Der erste bundesweite Warntag hat deutliche Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Gefahrenmeldung der Warn-Apps NINA und KATWARN erst mit Verspätung auf den Smartphones an. Das Bundesinnenministerium bezeichnete den landesweiten Probealarm als "fehlgeschlagen". Grund dafür sei ein technisches Problem. "Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet", kündigte das Ministerium an. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten dann bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt werden.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn erklärte die Panne mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen. "Erste Analysen haben ergeben, dass um 11 Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, sodass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist", sagte Präsident Christoph Unger. "Dies muss für den nächsten Warntag noch viel deutlicher abgestimmt werden." Gegebenenfalls müssten entsprechende technische Vorkehrungen getroffen werden.

Kein Sirenengeheul in München und Berlin

Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Zum ersten bundesweiten Warntag sollten eigentlich im ganzen Land um 11.00 Uhr Sirenen und andere Warnsysteme ausgelöst werden, Entwarnung sollte erst 20 Minuten nach der Probewarnung gegeben werden. Bei mehreren Fernsehsendern war zwischenzeitlich die Probewarnung als Text eingeblendet. Auch ntv.de beteiligte sich an der Übung.

In Köln etwa heulten um Punkt 11.00 Uhr die Sirenen. Mancherorts bekam die Bevölkerung aber vom Probealarm zunächst nichts mit. Für München erklärte etwa ein Feuerwehrsprecher, es gebe in der Landeshauptstadt seit vielen Jahren keine Sirenen mehr. Sie seien nach dem Ende des Kalten Kriegs nach und nach abgebaut worden. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer verwundert darüber, dass Sirenen nicht heulten. Auch in Berlin blieb es still. Wegen der dichten Bebauung gibt es in der Bundeshauptstadt seit den neunziger Jahren keine Zivilschutzsirenen mehr.

Die Warn-App NINA schickte zeitgleich zu der offiziellen Warnung und Entwarnung des Bundesamts jeweils eine Mitteilung. Allerdings blieb NINA bei vielen Nutzern still. Die angekündigte Warnmeldung und die anschließende Entwarnung tröpfelten erst mit 30 Minuten Verspätung ein. Das Bundesamt sieht in dem Test dennoch einen Nutzen. Er liefere "wichtige Erkenntnisse für den Ausbau" des Meldesystems, erklärte das BBK.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa