Misshandlungsvorwürfe gegen BischofMixa zum Gespräch bereit
Der Augsburger Bischof Mixa will mit ehemaligen Zöglingen des Kinderheims St. Josef in Schrobenhausen über gegen ihn erhobene Misshandlungsvorwürfe sprechen. Gleichzeitig versichert Mixa noch einmal, zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt zu haben.
Der Augsburger Bischof Walter Mixa ist zum Gespräch über die gegen ihn erhobenen Misshandlungsvorwürfe bereit. Mixa erklärte sich nach Angaben des Ordinariats dazu bereit, mit ehemaligen Zöglingen des Kinderheims St. Josef in Schrobenhausen über deren Erinnerungen, Erlebnisse und Vorwürfe zu sprechen. Er wolle erfahren, was sie in ihrer Kindheit belastet habe.
"Ich bin zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die mir gegenüber erhoben werden. Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe", hieß es in der Erklärung des Augsburger Bischofs.
Mixa ist als erster amtierender Bischof in Deutschland mit Misshandlungsvorwürfen konfrontiert.
"Wir sind Kirche" will klare Worte
Die katholische Laienorganisation "Wir sind Kirche" hatte zuvor Mixa aufgefordert, persönlich Stellung zu den Misshandlungsvorwürfen zu nehmen und solange sein Amt ruhen zu lassen, bis sie geklärt sind.
Der Sprecher der Organisation im Bistum Augsburg, Herbert Tyroller, sagte, es reiche nicht aus, wenn Mixa eine Unschulds-Erklärung über seine Pressestelle veröffentlichen lasse. "Er selbst muss sich äußern", sagte Tyroller. Er kritisierte, dass sich der Bischof wegen der Vorwürfe zivil- und strafrechtliche Konsequenzen vorbehalten habe. Durch solche Drohungen würden die Opfer eingeschüchtert, das sei nicht der "richtige christliche Weg".
Sechs eidesstattliche Erklärungen
Im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen soll der jetzige Augsburger Bischof Mixa als Stadtpfarrer vor rund 30 Jahren Kinder geprügelt haben. Das Bistum hatte die Vorwürfe als "absurd" und "Versuch der Diffamierung" zurückgewiesen und behielt sich rechtliche Schritte vor. Allerdings wird der Kreis der ehemaligen Heimkinder, die dem Bischof körperliche Gewalt vorwerfen, größer. In der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte eine 47-jährige Frau aus Pfaffenhofen die bisher von drei Frauen und zwei Männern erhobene Anschuldigung, Mixa habe als einfacher Pfarrer in den siebziger und achtziger Jahren im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen mehrere Kinder geschlagen.
Wie die "SZ" berichtete, schreibt die 47-Jährige in einer eidesstattlichen Versicherung, Mixa habe sie "mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen". Damit liegen der Zeitung nach eigenen Angaben insgesamt sechs eidesstattliche Erklärungen vor, die Mixa Ohrfeigen oder Fausthiebe oder Schläge auf das Gesäß mit Stock oder Teppichklopfer vorwerfen.
Keine Vorfälle in den Akten
Ein Sprecher der Regierung Oberbayern sagte, über die angeblichen Vorfälle sei in den Akten von damals nichts zu finden. Damit sei die Angelegenheit für die Regierung Oberbayern erledigt.
"Das war grausam, was ich erlebt habe"
Mixa war den Angaben zufolge von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und habe den Berichten der ehemaligen Heimkinder zufolge regelmäßig die Mallersdorfer Schwestern besucht, die das Kinderheim damals leiteten. Auch gegen Nonnen wurden Vorwürfe laut, sie hätten die ihnen anvertrauten Minderjährigen geschlagen.
Eine Betroffene sagte, sie sei mehrfach mit einem Besenstil und einem Stock geschlagen worden. Einmal habe ihr eine Nonne ein Schlüsselbund an den Kopf geworfen und sie dadurch verletzt. "Ich habe ein Loch im Kopf gehabt, das war schon grausam, was ich da erlebt habe", sagte die Frau. Eine der beschuldigten Nonnen soll bis heute in dem Heim tätig sein.
Möglicherweise noch nicht verjährte Fälle
Die Regierung von Oberbayern prüft inzwischen als Heimaufsichtsbehörde Misshandlungs-Vorwürfe in dem Kinder- und Jugendhilfezentrum aus jüngerer Zeit. Dabei geht es um mögliche Fälle, die noch nicht verjährt sind. Ein Übergriff habe sich 1999 in der Schrobenhausener Einrichtung ereignet. Ein Heim-Mitarbeiter habe einem Kind einen Kinnhaken verpasst und sei daraufhin entlassen worden. Bisher unbekannte Vorwürfe, es habe noch vor fünf Jahren Züchtigungen in dem Heim gegeben, würden überprüft.
Das Haus in Schrobenhausen war bis 1990 von Franziskanerinnen der Mallersdorfer Kongregation geführt worden und befindet sich jetzt unter weltlicher Leitung.