Ramadan im WeltraumMuslimischer Astronaut im All
Ausgerechnet im Fastenmonat Ramadan fliegt ein muslimischer Astronaut ins All. Er will sich an die Fastenregeln halten. Das geht jedoch nicht ohne Ausnahmen.
Von Hommy Dara, n-tv Korrespondent
Muslime dürfen während des Ramadan von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Während dies für Leute mit festem Boden unter den Füßen zwar nicht immer einfach, aber möglich ist, dürfte ab 15.22 Uhr (MEZ) ein Muslim die Regeln als "Mission Impossible" verbuchen.
Dr. Scheich Muszaphar Shukor, Mediziner aus Malaysia, fliegt heute als erster Mohammedaner während des Ramadan ins All zur Internationalen Raumstation (ISS). Bisher waren neun Muslime im All. Hielte der Arzt sich an die Regeln, müsste er 80 Mal am Tag beten und sich vorher waschen, während er 16 Mal das Fastenbrechen zelebrieren könnte. Die Ausrichtung nach Mekka beim Gebet dürfte auch nicht ganz einfach sein, da die ISS sich mit rund 1700 Kilometern pro Stunde um die Erde dreht. Das Beten in der Schwerelosigkeit mit häufigem Hinknien und Aufstehen kann mit gutem Gewissen als unmöglich bezeichnet werden.
Der islamische Religionsrat Malaysias hat daher Ausnahmen für den 35-jahrigen Mann erlaubt. So reicht beispielsweise ein nasses Tuch vor dem Gebet, statt einer gründlichen Körperreinigung. Ferner darf der Arzt im Stehen beten. Ein 18 Seiten starkes Handbuch schildert dem Astronauten detailliert, wie er sich im All muslimisch korrekt zu verhalten hat. Als Dreh- und Angelpunkt seines Handelns, beispielsweise das Beten, gilt die Zeit in Mekka.
Der Mediziner hat versprochen sich so weit wie möglich an die Regeln des Koran zu halten. Am 12. Oktober endet der Heilige Fastenmonat Ramadan. Dann will er seinen russischen Kollegen und seine amerikanische Kollegin mit feinem Gebäck aus der Heimat verwöhnen. In elf Tagen soll der Scheich wieder auf der Erde sein. Dann will er seine Erfahrungen "mit allen Muslimen auf der Welt teilen".