Panorama

Umbau im belgischen Werk Pfizer liefert vorübergehend weniger Impfstoff

229008051.jpg

Das Pfizer-Vakzin ist eines von zwei inzwischen in der EU zugelassenen Impfstoffen gegen das Virus.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Der Impfstart in Deutschland hat nach den Worten des zuständigen Ministers geruckelt. Und dies könnte sich fortsetzen. Denn der Pharmakonzern Pfizer teilt unerwartet mit, in einem Werk umzubauen. In den kommenden Wochen steht damit allen EU-Ländern zunächst weniger Impfstoff zur Verfügung.

Der US-Pharmakonzern Pfizer kann seine Lieferverpflichtungen beim gemeinsam mit Biontech entwickelten Impfstoff gegen Corona in den kommenden Wochen nicht einhalten. Darüber habe das Unternehmen die EU-Kommission informiert, teilte das Gesundheitsministerium mit. Grund seien Umbauarbeiten im belgischen Werk in Puurs, um dort die Kapazitäten zu erhöhen. Die Liefereinschränkungen würden drei bis vier Wochen andauern. Wie hoch diese seien, sagte das Ministerium von Minister Jens Spahn nicht. Sechs EU-Länder zeigten sich bei der EU-Kommission besorgt.

Wie es weiter hieß, würde diese "sehr kurzfristige wie unerwartete Mitteilung der Kommission und von Pfizer mit Bedauern zur Kenntnis" genommen. "Dies umso mehr, da es verbindlich vom Unternehmen zugesagte Liefertermine bis Mitte Februar gegeben hatte." Gleichwohl würden die für das erste Quartal - also bis Ende März - zugesicherten Impfdosen von Biontech und Pfizer in den "angekündigten Mengen vollständig" geliefert. Dies sicherte Pfizer auch der EU zu. Der Konzernchef "kümmert sich persönlich darum, die Verzögerungszeit zu verkürzen und dafür zu sorgen, dass diese so schnell wie möglich aufgeholt wird", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einem Telefonat mit ihm

Zuletzt hatte es geheißen, dass es ab kommendem Montag jeweils zu Beginn einer Woche neue Lieferungen an Deutschland geben sollte. Dabei erhalte die Bundesrepublik anfangs jeweils etwa 670.000 Dosen.

Biontech teilte am Abend mit, dass man ab der Woche vom 25. Januar "wieder zum ursprünglichen Zeitplan für die Lieferungen in die Europäische Union zurückkehren" werde. Der Werksumbau werde ab Mitte Februar eine höhere Produktion als bisher ermöglichen. Damit werde im ersten Quartal die volle zugesagte Menge an Impfstoffdosen "und deutlich mehr im zweiten Quartal" ausgeliefert.

Norwegen erhält 20 Prozent weniger

In Norwegen meldete das staatliche Gesundheitsinstitut die Kürzungen würden "ab kommender Woche" erfolgen. Es sei nicht klar, wie lange es dauere, bis Pfizer wieder die maximale Produktionskapazität erreichen werde.

Den weiteren Angaben zufolge erhält Norwegen kommende Woche nur 36.075 Dosen des Corona-Impfstoffes. Vereinbart waren nach Angaben des FHI, dass Pfizer 43.875 Dosen liefert. "Das bedeutet, dass wir 7800 weniger Dosen erhalten als erwartet", sagte FHI-Direktor Geir Bukholm. Man werde die Kürzung mit einer angelegten Notfallration ausgleichen. Die Kürzung entspricht rund 18 Prozent.

Unterdessen  appellierten Dänemark, Finnland, Schweden und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen gemeinsam an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, die Kommission solle sicherstellen, dass die Impfstoffproduktion effektiv sei und die Impfstoffchargen schnell geliefert würden. Die Kommission müsse alles daran setzen, dass die Impfstoffproduktion von Biontech/Pfizer gesteigert und die Verteilung der Chargen gemäß dem EU-Kaufvertrag und den Bestellungen der Mitgliedstaaten gewährleistet sei, hieß es von den Finnen.

 

Biontech und Pfizer hatten jüngst mitgeteilt, in diesem Jahr insgesamt 2 Milliarden Dosen ihres Vakzins produzieren zu wollen. Zuvor war von 1,3 Milliarden Dosen die Rede gewesen. Das Vakzin ist eines von zwei inzwischen in der EU zugelassenen Impfstoffen gegen das Virus. In Deutschland wird es seit Ende Dezember verimpft. Im Laufe des Tages soll in Deutschland erstmals das Vakzin des US-amerikanischen Herstellers Moderna verimpft werden.

Quelle: ntv.de, chr/jwu/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.