Mädchen nach Polen verschlepptPolizei fasst Verdächtigen im Fall Maria H.

Mehr als fünf Jahre nach dem Verschwinden eines Mädchens aus Freiburg klicken in Italien die Handschellen. Die Polizei nimmt ihren mutmaßlichen Begleiter von damals fest - kurz nachdem die heute volljährige Maria H. zu ihrer Familie zurückkehrte.
Der im Fall der jahrelang verschwundenen Maria H. aus Freiburg international gesuchte Mann ist in Italien festgenommen worden, wie das Polizeipräsidium Freiburg mitteilte. Dem aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen stammenden Mann wird vorgeworfen, im Mai 2013 mit dem damals 13 Jahre alten Mädchen verschwunden zu sein.
Die genauen Umstände sind noch unklar. Die Behörden hatten den Mann zuletzt unter anderem auch per Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Ein internationaler Haftbefehl lag bereits seit 2013 vor. Der nun festgenommene Mann steht früheren Angaben zufolge unter Verdacht, sich an der Minderjährigen vergangen zu haben. Konkret geht es um Kindesentzug sowie um sexuellen Missbrauch von Kindern.
Maria hatte den Tatverdächtigen im Internet kennengelernt. Die Polizei ging damals davon aus, dass sie sich verliebt hatte und freiwillig mitging. "Der inzwischen 18-Jährigen geht es augenscheinlich gut und sie ist wohlauf", hatte die Polizei am Vortag mitgeteilt, nachdem die junge Frau zu ihrer Familie zurückgekehrt war.
Eigenen Angaben zufolge lebte Maria H. zuletzt in Italien, wo sie die meiste Zeit der vergangenen fünf Jahre verbrachte. Nachdem sie Freiburg im Mai 2013 gemeinsam mit dem 40 Jahre älteren Mann verlassen hatte, hätten beide demnach eine Zeit lang zusammen in Polen gelebt und dabei im Auto übernachtet, berichtete sie.
"Bitte findet Maria"
Von dem zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Kindesentzugs 53-jährigen Mann sei sie bereits in Polen weggelaufen, schrieb sie in einer Stellungnahme auf der Facebook-Seite ihrer Familie. Sein Verhalten ihr gegenüber habe sich verschlechtert, erklärte sie. Sie sei dann alleine mit Fahrrad und Zelt weitergezogen.
Nach drei Monaten sei sie in Italien angekommen und habe sich den Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs verdient, sagte die 18-Jährige der Polizei. Vor etwa zwei Jahren bezog Maria dem Bericht zufolge eine eigene Wohnung. "Nach meinem 18. Geburtstag, als ich mich in Sicherheit wusste, informierte ich mich über die Ermittlungen", schrieb die heute 18-Jährige.
Unter dem Titel "Bitte findet Maria" hatte ihre Mutter eine eigene Suchaktion im Netz ins Leben gerufen. Bei ihren Recherchen sei der jungen Frau bewusst geworden, "wie sehr meine Familie nach mir sucht". "Ich konnte es vor schlechtem Gewissen nicht mehr aushalten." In der vergangenen Woche meldete sie sich bei ihrem Vater und wurde von Freunden des Vaters aus Mailand nach Hause zurückgeholt.