Panorama

Passat führt Ermittler zum Täter Polizei findet Mircos Leichnam

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Absperrband in einem Wald nahe Grefrath. Hier dürfte das tote Kind gefunden worden sein. Offiziell bestätigt ist das nicht.

(Foto: dapd)

Der Leichnam des seit fünf Monaten vermissten Mirco aus Nordrhein-Westfalen ist gefunden. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Krefeld. Offenbar hat der festgenommene dringend Tatverdächtige der Polizei den Ort genannt. Damit dürfte der Fall Mirco weitgehend aufgeklärt sein. Dem mutmaßlichen Täter auf die Spur kamen die Ermittler durch den VW Passat des Mannes.

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Mirco war 3. September entführt worden.

(Foto: dpa)

Im Fall des seit knapp fünf Monaten vermissten Mirco sind die schlimmsten Befürchtungen grausige Gewissheit geworden: Mit dem Fund von Mircos Leiche bestätigten sich vorherige Mutmaßungen über ein Gewaltverbrechen an dem Jungen aus Grefrath.

Zur Identität des am Mittwoch festgenommenen Tatverdächtigen wollten sich die Ermittler wegen noch laufender Ermittlungen bislang nicht äußern. Einzelheiten sollen an diesem Freitag auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden. Auch zum Fundort der Leiche, zum Tathergang und zum Motiv sagten die Ermittler nichts. "Alle diese Fragen werden Gegenstand der Pressekonferenz sein", sagte der Krefelder Oberstaatsanwalt Dieter Menden.

Ein Polizeisprecher sagte bei n-tv, die Bedeutung des Falls verbiete es der Polizei, sich an "Spekulationen und voreiligen Schlüssen" zu beteiligen. Zugleich zeigte er sich sicher, dass den Ermittlern mit dem Verdächtigen der "richtige Mann" ins Netz gegangen sei.

Am Mittwoch hatte die Polizei sich noch deutlich zurückhaltender gezeigt und lediglich von einer weiteren Festnahme in dem Fall gesprochen. Die bisherigen Festnahmen habe man "sehr diskret abgearbeitet". "Das war sicher auch gut so, denn in diesen Fällen hatte sich schnell die Unschuld der Verdächtigen erwiesen", sagte ein Polizeisprecher.

VW war die entscheidende Spur

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Plakat am Ortseingang von Grefrath.

(Foto: dpa)

"Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn wir den richtigen VW Passat in der Kontrolle haben, dann wird uns das zum Täter führen", sagte Polizeisprecher Peter Spiertz bei n-tv. "Und das hat sich jetzt bestätigt." Die Polizei war in den vergangenen Monaten mit der Überprüfung von mehreren tausend VW Passat beschäftigt, die ins Fahndungsraster passten.

Ein Auto dieses Typs hatte bei den monatelangen Ermittlungen der "SoKo Mirco" eine zentrale Rolle gespielt: Ein verdächtiger Passat-Kombi war Zeugen am Tag von Mircos Verschwinden auf einer Landstraße bei Grefrath aufgefallen.

Die 65-köpfige Sonderkommission ermittele unter Hochdruck sämtliche Ansätze, die sich nach der Festnahme des Mannes ergeben hätten. "Wir haben uns dem Verdächtigen aus vielen Richtungen genähert", sagte Spiertz. Bis zum Donnerstagabend wollten die Ermittler ihre Ergebnisse zusammenfassen und am Freitag um 11.00 Uhr eine Pressekonferenz geben.

Familienvater Mitte 40?

Nicht bestätigen wollte die Polizei Medienberichte, wonach es sich bei dem im Großraum Grefrath Festgenommenen um einen Familienvater im Alter von 45 oder 46 Jahren handeln soll. Der Mann soll demnach versucht haben, einen silberfarbenen Passat ins Ausland zu verkaufen.

Mirco war vor fast fünf Monaten, am 3. September vergangenen Jahres, im Alter von zehn Jahren auf dem Nachhauseweg entführt worden. Mit einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik hatten zeitweise 1000 Polizisten nach dem Kind gesucht. Die Polizei hatte tausende Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und sich immer wieder zuversichtlich gezeigt, den Täter doch noch ermitteln zu können.

Nach der bisherigen Rekonstruktion des Verbrechens hatte der Täter Mirco auf dem Heimweg von einer Skater-Anlage an einer einsamen Stelle östlich von Grefrath abgepasst und mit seinem Auto entführt. Mircos Fahrrad blieb zurück, wurde von ahnungslosen Passanten entdeckt, mitgenommen, gesäubert und erst nach Bekanntwerden des Verbrechens der Polizei übergeben.

In einem Bogen soll der Entführer in einem VW Passat Kombi nach Norden um Grefrath herumgefahren sein. Spezielle Spürhunde hatten Mircos Fährte noch kilometerweit verfolgt. In der Nähe eines Klosters bei Wachtendonk nördlich von Grefrath vernahmen Nonnen in der Tatnacht einen markerschütternden Schrei. Auf der anderen Seite von Grefrath fanden sich später Kleidungsstücke des Jungen und nach Wochen auch sein Handy. Fingerabdrücke des Täters fanden sich nicht.

Obwohl die Polizei-Hundertschaften ein mehr als 50 Quadratkilometer großes Gebiet zum Teil mehrfach durchkämmten, blieb der Junge verschwunden. Auch ein bewegender Aufruf von Mircos Eltern im Fernsehen konnte den Täter nicht dazu bewegen zu verraten, wo er den Jungen versteckt hat. Möglicherweise kann der Verdächtige nun mit Hilfe von DNA-Spuren überführt werden.

Quelle: ntv.de, hdr/dpa/AFP

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