Panorama

Schüsse auf 50-Jährigen Polizisten in der Kritik

Mit einem Beil geht ein 50-Jähriger auf Berliner Polizisten los. Die Beamten fühlen sich bedroht und reagieren hart. Schließlich fallen mehrere Schüsse. Der Angreifer überlebt nur dank einer Not-OP. Die Beamten müssen sich jetzt unangenehme Fragen gefallen lassen: Von der Aktion gibt es ein Handyvideo.

Dank einer Notoperation hat der Mann in Berlin überlebt, der am Wochenende Polizeibeamte mit einem Beil attackiert hatte und mit mehreren Schüssen aus Polizeiwaffen niedergestreckt worden war. Der 50-Jährige schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Der Mann konnte bislang aber nicht befragt werden, weil er nach der Operation - unter anderem wegen eines Bauchschusses - noch nicht ansprechbar war, wie ein Polizeisprecher sagte.

Der Einsatz steht wegen des rüden Vorgehens der Beamten in der Kritik. Politiker stellten die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in Frage. Auf einem Handyfilm eines Passanten ist zu sehen, wie ein Polizist den am Boden liegenden Mann von hinten ins Genick tritt. Zudem wurden Pfefferspray, Schlagstöcke und ein Polizeihund eingesetzt.

Wie immer bei Schüssen von Beamten untersucht nun eine Mordkommission den Fall. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, verteidigte gegenüber n-tv das Vorgehen der Beamten: "Die Polizei muss ihre Möglichkeiten - dazu zählen Waffen und Hilfsmittel der körperlichen Gewalt - einsetzen, die ihr zur Verfügung stehen."

Warum der 50-Jährige bewaffnet durch den Wedding lief, ist noch unklar. Hinweise auf eine geistige Störung lägen derzeit nicht vor, hieß es bei Ermittlern. Offen ist auch noch, ob der Mann unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand.

Immer wieder Schüsse aus Polizeiwaffen

Erst im August 2011 hatte ein Polizist in Berlin-Reinickendorf eine psychisch kranke Frau erschossen, weil sie mit einem Messer auf einen Kollegen losgegangen war. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil der Mann in Nothilfe gehandelt habe.

Aufsehen erregte 2008 der Fall eines Berliner Polizisten, der zu Silvester im brandenburgischen Schönfließ einen Kleinkriminellen erschossen hatte. Der Mann wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Polizisten standen damals in der Kritik, aus "Korpsgeist" gelogen zu haben, um ihren Kollegen zu decken.

Im vergangenen Jahr schossen Polizeibeamte bundesweit insgesamt 85 Mal auf der Jagd nach Verbrechern. Nach einer Erhebung der Deutschen Hochschule der Polizei im westfälischen Münster waren davon 49 Warnschüsse, 36 Mal gaben die Polizisten gezielte Schüsse ab. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt.

Quelle: ntv.de, dpa

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