Neue Aussage im MordprozessPolizistin: Fabians Vater traute Angeklagter "alles zu"

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian kommt eine weitere brisante Information ans Licht. Der Vater des Jungen soll der Beschuldigten kurz nach der Tat "alles zugetraut" haben. Vor Gericht vertritt der Mann inzwischen eine völlig gegensätzliche Position.
Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat eine Polizistin das erste Zusammentreffen mit Fabians Vater nach dem Fund des toten Jungen geschildert. Er sei vor dem Haus der Familie der inzwischen Angeklagten aufgetaucht und habe unter anderem gesagt, er würde ihr "alles zutrauen". Dabei sei Fabians Vater sichtlich emotional und angetrunken gewesen.
Die Polizei sei an dem Tag des Auffindens im Rahmen der Ermittlungen zum Haus der Frau gefahren, die der Polizei den Leichenfund an einem Tümpel südwestlich von Güstrow gemeldet hatte und inzwischen wegen Mordverdachts vor Gericht steht.
Die inzwischen Angeklagte war zum damaligen Zeitpunkt die Ex-Freundin von Fabians Vater, stand aber permanent mit ihm in Kontakt. Laut Handyauswertungen hatte sie dem Vater nach der Meldung des Leichenfunds am 14. Oktober geschrieben, sie könne sich erst einmal nicht mehr melden. Die Polizei nahm ihr damals zeitweise das Handy ab.
Obwohl Fabian seit Tagen vermisst wurde, informierte die heute 30-Jährige demnach den Vater nicht über den Fund der Leiche. Auch, dass sie, wie von Zeugen geschildert, schon am Vortag am Fundort war, sagte sie Fabians Vater den Auswertungen zufolge nicht. Stattdessen beschwerte sie sich über seinen Kontakt mit anderen Frauen.
Polizistin: Fabians Vater wirkte ungehalten
Am inzwischen 18. Verhandlungstag sagte die Polizistin, Fabians Vater habe sich nach eigener Aussage über die Nachrichten der Ex-Freundin und über die Präsenz der Polizei bei ihr gewundert. Er habe der Beamtin von einem schwierigen Verhältnis zu der Frau berichtet. So habe seine Ex-Freundin ihm vorgeworfen, dass er nach dem Verschwinden des Kindes keine Hilfe von ihr angenommen habe. Auch habe er gesagt, es habe in der Vergangenheit Ärger wegen Fabian gegeben. Sein Vater sei sehr ungehalten, aber auch in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen.
Vor Gericht hatte Fabians Vater gesagt, er glaube an die Unschuld der Angeklagten. Auch seien beide inzwischen wieder ein Paar.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, den Jungen am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Demnach soll das Motiv mit der Beziehung zum Vater zusammenhängen. Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidiger im August äußern. Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil, der zunächst bis 10. September terminiert ist.