Panorama

Haupttäter in Bergisch Gladbach Prozess gegen Jörg L. wird herausfordernd

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In Chats sollen sich Familienväter zum gemeinsamen sexuellen Missbrauch ihrer Kinder verabredet haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Hausdurchsuchung bei einem Familienvater in Bergisch Gladbach bringt das wohl größte Kindesmissbrauchs-Netzwerk der letzten Jahrzehnte ans Licht. Der Hauptverdächtige Jörg L. muss sich nun vor Gericht verantworten. Er soll seine Tochter missbraucht und die Bilder in Chats geteilt haben.

Einer der zentralen Verdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach steht von Montag an in Köln vor Gericht. Die Vorwürfe gegen Jörg L. sind gravierend. Immer wieder soll der 43-jährige Koch und Hotelfachmann hinter einer perfekten bürgerlichen Fassade seine kleine Tochter sexuell missbraucht haben. Die Taten habe er meist fotografiert und gefilmt und diese Aufnahmen an gleichgesinnte Chat-Partner weitergeleitet. Insgesamt wirft die Staatsanwaltschaft Jörg L. 79 Straftaten vor.

Einen Teil davon soll er gemeinsam mit einem Chat-Partner, einem ehemaligen Bundeswehrsoldaten aus Kamp-Lintfort, begangen haben. Der gestand, zu Missbrauchsverabredungen auch seine leibliche Tochter und seinen Stiefsohn mitgebracht zu haben. Der 27-Jährige wurde Ende Mai wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Allein die Verlesung der Anklageschrift dürfte angesichts der erschreckenden Menge an Vorwürfen geraume Zeit in Anspruch nehmen und nichts für schwache Nerven sein. Anwältin Monika Müller-Laschet, die in der Nebenklage die Tochter vertritt, nannte die Taten "schwerwiegend".

"Es ist eine belastende Situation"

Jörg L. gilt als zentrales Puzzlestück im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach. Die kinderpornografischen Bilder und Videos, die die Polizei im Oktober 2019 in seinem Einfamilienhaus unweit von Köln fand, lösten die wohl größten Ermittlungen wegen sexueller Gewalt gegen Kinder in der Geschichte der Bundesrepublik aus.

Für diesen Fall gründete die Polizei Köln sogar extra eine "Besondere Aufbauorganistaion" (BAO) mit dem Namen "Berg". Die Sondereinheit sichtet seit Monaten unter großer psychischer Belastung riesige Mengen kinderpornografischen Materials. So entdeckten die Beamten auch digitale Kontakte zu anderen Verdächtigen. In Chats verabredeten sich Familienväter offenbar zum gemeinsamen sexuellen Missbrauch ihrer Kinder.

In den unter Jörg L.s Pseudonymen wie "lila06789 Homer Simpson" oder "Bullseye" geführten Chats sollen Hunderte Teilnehmer gewesen sein. "Es ist eine belastende Situation. Zu wissen, es gibt Kinder, die in Gefahr sind, die wir aber noch nicht identifiziert bekommen. Da setzen wir dann immer alles dran", sagte der Leiter der "BAO Berg", Michael Esser, im Gespräch mit ntv.de. Für ihn und sein Team hat die Rettung der Kinder oberste Priorität.

Die Zahl der Tatverdächtigen und der Opfer steigt, laut Esser, nahezu täglich. In der Anfangszeit gab es teilweise mehrere Festnahmen in einer Nacht. Mittlerweile werden Spuren in Foren, Gruppenchats und Messengerdiensten zu Tausenden möglichen Verdächtigen verfolgt. Allein in Nordrhein-Westfalen wird gegen mehr als 80 Beschuldigte ermittelt. Mehr als 70 weitere Hinweise auf mögliche Täter wurden in andere Bundesländer weitergeleitet, damit sie dort bearbeitet werden können. Rund 50 Kinder wurden identifiziert und aus den Fängen der Täter befreit. In vielen Fällen erfuhren die Mütter erstmals, was ihren Kindern widerfahren war.

Jörg L. drohen 15 Jahre Haft

Nach Angaben des Gerichts hat sich Jörg L. bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er soll allerdings bei der Identifizierung seiner Chat-Partner geholfen haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Zudem steht die Anordnung einer Sicherungsverwahrung im Raum.

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Der Prozess gegen Jörg L. sollte eigentlich schon am 10. August vor dem Landgericht Köln beginnen. Wegen eines Brandes im Gebäude musste der Auftakt jedoch kurzfristig verschoben werden und findet nun am 17. August statt.

Nur wenige Tage später steht auch ein weiterer mutmaßlicher Täter im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach vor Gericht - allerdings in Wiesbaden. Dem 39-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, seine leiblichen Kinder, darunter einen Säugling, und ein Stiefkind sexuell missbraucht zu haben. Die Bilder der Taten soll er wie Jörg L. über Chatgruppen verschickt haben.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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