Panorama

Aufarbeitung durch EKD stockt Rat für Missbrauchsopfer steht vor dem Aus

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Die Mitglieder des Betroffenenbeirats kritisieren die EKD wegen mangelhafter Unterstützung bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die schon lange währende Kritik des Betroffenenbeirats an der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Evangelischen Kirche hat Folgen: Fünf der zwölf Mitglieder verlassen das Gremium. Die verbliebenen sieben streiten, ob der Rat nicht besser aufgelöst werden sollte.

Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird von einem Streit des Betroffenenbeirats ausgebremst. Innerhalb kurzer Zeit seien fünf der ursprünglich zwölf Mitglieder des Beirats zurückgetreten. Im Anschluss daran wurde aus dem Gremium heraus ein Antrag auf Auflösung gestellt, da es nicht mehr die ganze Bandbreite von Perspektiven Betroffener abbilden würde, teilte der zuständige Landesbischof Christoph Meyns mit. Von den verbliebenen sieben Opfern hätten vier mit anwaltlicher Hilfe zwischenzeitlich einen Aufschub der Auflösung erreicht.

Wie der "Spiegel" berichtete, hätten Betroffene den Beirat teils aus Unmut gegenüber der EKD verlassen. Kritisiert wird etwa die mangelnde Ausstattung sowie unzureichende Aufwandsentschädigungen für die Arbeit, aber auch, dass Vertreter des Beirats nicht an Sitzungen des EKD-Rats teilnehmen durften. Die Evangelische Kirche löse ihr Versprechen, Aufarbeitung auf Augenhöhe zu betreiben, nicht ein, sagte Katharina Kraft Anfang März. Man fühle sich sechs Monate nach dem Start der Beiratsarbeit nicht ernst genommen.

"Die evangelische Kirche ist auf das Erfahrungswissen der Betroffenen angewiesen und will sie weiterhin konsequent beteiligen", erklärte Bischofs Meyns. Dafür müssen gerade auch mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Perspektiven von Betroffenen die bisherigen Erfahrungen ausgewertet und die Formen der Beteiligung überprüft werden.

Kirche ermittelt knapp 800 Missbrauchsopfer

Die Mitglieder des Beirats vertreten unterschiedliche Bereiche der Kirche, in denen es in vergangenen Jahrzehnten zu Missbrauch kam, darunter ehemalige Heimkinder in der Diakonie. Bislang hat die EKD rund 785 Opfer von Missbrauch unter kirchlichen Dächern ermittelt. Der Betroffenenbeirat hatte erst im September 2020 die Arbeit aufgenommen. Zur Aufarbeitung von Missbrauch hat die EKD einige Schritte eingeleitet. Unter ihrer finanziellen Beteiligung begann im Dezember eine umfangreiche Missbrauchsstudie mit dem Ziel, Strukturen in der evangelischen Kirche aufzudecken, die sexualisierte Gewalt begünstigen und ihre Aufarbeitung erschweren.

Zumindest hinter den Kulissen dürfte das Thema auch auf der kürzlich begonnenen digitalen Frühjahrstagung der EKD-Synode zur Sprache kommen. Im Mittelpunkt der Tagung steht die Wahl eines neuen Präses, der dem Kirchenparlament in den kommenden sechs Jahren vorsteht. Die FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer, die den Posten seit 2013 innehat, tritt nicht mehr an.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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