Panorama

Beteiligt an Impfstoff-Studie Russischer Forscher stürzt aus Hochhaus

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"Leidenschaftlicher Wissenschaftler": Internationale Kollegen trauern um Kagansky.

(Foto: Screenshot: Twitter/MRC_HGU)

Nur mit einer Unterhose bekleidet wird ein russischer Corona-Forscher im Hof eines Hochhauses in St. Petersburg gefunden. Er wohnte dort bei einem Freund. Weil seine Leiche Messerstiche aufweist, nimmt die Mordkommission Ermittlungen auf. Internationale Kollegen sind bestürzt.

Ein bekannter russischer Biomediziner ist in St. Petersburg tot aufgefunden worden. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldet, soll Alexander Kagansky aus einer Wohnung im 14. Stock gestürzt sein. Die Leiche des 45-Jährigen habe nur mit Unterwäsche bekleidet im Innenhof eines Hochhauses gelegen. Da die Polizei nicht ausschließt, dass der Forscher aus dem Fenster gestoßen wurde, hat eine Mordkommission die weiteren Ermittlungen übernommen.

Die Leiche des Wissenschaftlers weise Spuren eines Kampfes auf, schrieb Interfax weiter. Kurz vor der Tragödie sei es zu einem Streit zwischen dem Eigentümer der Wohnung und dem Forscher gekommen. Kaganskys Gastgeber bestreitet laut Medienberichten die Tat. Sein Freund habe Selbstmord begangen, zitierten Medien eine erste Aussage des Verdächtigen. Stichverletzungen mit einem Messer habe sich Kagansky selbst zugefügt. Der Mann wurde vorläufig festgenommen.

Kagansky gehörte in Wladiwostok zu den Direktoren des Zentrums für Genomische und Regenerative Medizin, befasste sich mit Krebsforschung und soll zuletzt auch an der Corona-Forschung und Impfstoffentwicklung beteiligt gewesen sein. Er hatte zuvor 13 Jahre lang bis zum Jahr 2017 im schottischen Edinburgh gearbeitet und geforscht. Die Abteilung für Humangenetik der Universität Edinburg (Schottland) teilte kurz nach Bekanntwerden seines Todes mit: "Er war ein leidenschaftlicher und kreativer Wissenschaftler, für viele ein Freund." Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung häufen sich in Russland rätselhafte Fensterstürze von Medizinern. Bereits im Frühjahr seien zwei Ärzte, die den Umgang der russischen Regierung mit der Corona-Pandemie kritisiert hatten, auf diese Weise gestorben, schrieb das Blatt.

Russland begann bereits vor fast drei Wochen mit großangelegten Corona-Impfungen. Mit dem Vakzin "Sputnik V" gehört Russland zu den ersten Ländern weltweit, die ihre Bevölkerung in größerem Stil gegen Sars-CoV-2 impfen lassen. Unabhängige Studien zu "Sputnik V" sind aber bisher nicht bekannt. Die Freigabe des Impfstoffs hatte im Sommer international auch Kritik ausgelöst.

Quelle: ntv.de, mau

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