Panorama

Werke von Anti-Helden geprägt Schriftsteller Wilhelm Genazino ist tot

imago62893332h.jpg

Wilhelm Genazino

imago/teutopress

In seinen Romanen beschreibt der Schriftsteller Wilhelm Genazino oft Alltagssituationen minutiös und detailgetreu. Mit seiner "Abschaffel"-Trilogie gelingt ihm in den 1970er Jahren der bundesweite Durchbruch. Nun ist er im Alter von 75 Jahren gestorben.

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino ist im Alter von 75 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Bis zum Ende seines Lebens lebte er in Frankfurt am Main, wie eine Sprecherin des Carl Hanser Verlags in München sagte. Genazino hinterlässt demnach eine Tochter. Der Autor erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. So wurde er 2004 mit dem Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt geehrt und bekam 2014 die Goetheplakette der Stadt Frankfurt.

Genazino wurde am 22. Januar 1943 in Mannheim geboren und lebte als freier Autor in Frankfurt, wie der Verlag weiter mitteilte. Zunächst arbeitete er als Journalist unter anderem bei der Satire-Zeitschrift "Pardon". Später studierte er in der Stadt noch Germanistik. Er schrieb Hörspiele, bevor er mit seiner Angestellten-Romantrilogie "Abschaffel" (1977), "Die Vernichtung der Sorgen" (1978) und "Falsche Jahre" (1979) bekannt wurde. Genazinos Werk wurde in viele Sprachen übersetzt. Sein letzter Roman "Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze" erschien im Frühjahr 2018.

Die Protagonisten seiner Romane waren stets Außenseiter, die sich auf durchaus kreative Art mit dem Leben auseinandersetzen. Eine eigenwillige Mischung aus Traurigkeit und Komik besitzen diese Anti-Helden, die Genazino "Individualisten wider Willen" nannte.

Schreibmaschine statt Laptop

Vor seinem 70. Geburtstag begründete er, dass er noch immer ohne Handy und Computer lebt, mit einer "natürlichen inneren Alarmglocke vor zu großen Risiken". Er tippte an der Schreibmaschine. Und vor jedem Buch hatte er Versagensängste - trotz seines Erfolgs.

Genazino war ein ebenso freundlicher wie zurückhaltender Mensch, der die Beobachterrolle liebte. "Ich brauche die Halbdistanz", sagte er einmal. Schreiben bedeutete für ihn Leben. In der Dankesrede für den Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis der Städte Torun und Göttingen im Jahr 2014 sagte er: "Als ich anfing zu schreiben, war ich siebzehn Jahre alt, und das Schreiben war zu diesem Zeitpunkt ein Akt des Widerstands: gegen die Schule, gegen den Mangel, gegen die Eltern, gegen die damals einsetzende Fernsehsucht, die nach meinem damaligen Empfinden schuld war an der wachsenden Stummheit der Menschen."

Quelle: n-tv.de, mba/dpa