Panorama

Leben oder Tod Schüler wurden für Sprachreise ausgelost

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Vor dem Josef-König-Gymnasium in Haltern am See.

16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen eines Gymnasiums in Haltern am See waren an Bord der Unglücksmaschine aus Barcelona. Eigentlich hatten noch viel mehr Schüler die Studienreise nach Spanien antreten wollen. Am Ende entschied das Los.

Der Schulleiter des städtischen Gymnasiums in Haltern am See, Ulrich Wessel, "weiß nicht, wie er den nächsten Tag überstehen soll". Vor Journalisten berichtet er, wie er vor einer Woche "16 fröhliche Schülerinnen und Schüler und zwei junge Lehrerinnen zum Schüleraustausch nach Barcelona verabschiedete. Und wie heute meine Schüler schluchzend in der Aula stehen."

Insgesamt waren 14 Schülerinnen, zwei Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem Josef-König-Gymnasium bei dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich ums Leben gekommen. Sie befanden sich auf der Rückreise von einem Sprachaustausch.

Diejenigen, die sich jetzt in der Aula um Ulrich Wessel versammelt haben, tragen eine besonders schwere Last. Viele von ihnen hatten ebenfalls nach Barcelona reisen wollen. Aber das Los hatte entschieden: für die rund 40 Bewerber standen nur 16 Plätze zur Verfügung. Am Ende reisten 14 Mädchen und 2 Jungen. Mindestens einer von ihnen sei über die Nachrückliste zur Reisegruppe dazugestoßen, berichtet Schulleiter Wessel.

Den Schmerz kann niemand nehmen

Auch in der spanischen Partnerschule haben am Vormittag in einer Gedenkstunde die Schüler und Lehrer des Instituto Giola in Llinars del Vallès der Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht. Während des Schüleraustausches sind zum Teil Freundschaften entstanden. Dass die Spanier ihre deutschen Freunde nie mehr wieder sehen werden, treffe die Jungen, Mädchen und Lehrer stark, sagte eine Lehrerin des Instituto Giola.

Der Haltener Bürgermeister Bodo Klimpel hatte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. Sie habe ihre Anteilnahme ausgedrückt, auch der Bundespräsident übermittelte sein Beileid, sagt er. Aber vor allem in der Stadt, die völlig aus den Fugen geraten ist, sei große Anteilnahme da: "Man rückt in einer Stadt wie Haltern am See enger zusammen, um sich gegenseitig zu trösten."

"Den Schmerz über ein verlorenes Familienmitglied kann keine Macht der Welt nehmen", sagte die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Sylvia Löhrmann. "Wir können ihn nur teilen. Aus dem gemeinsamen Teilen kann ein wenig Trost erwachsen." Immer wieder kommen Schüler und Eltern spontan zum Gedenken zusammen - in der sonst so beschaulichen Stadt am Rande des nördlichen Ruhrgebiets.

Quelle: n-tv.de, ppo

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