Panorama

Opfer überwiegend Mädchen Sexueller Kindesmissbrauch oft durch Väter

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Kinder werden häufig in Obhut der eigenen Familie missbraucht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aus hunderten Berichten von Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs ergibt sich ein alarmierendes Bild: Häufig kommt der Täter aus der eigenen Familie, die Hilferufe der Kinder werden deshalb oft nicht gehört. Möglich wird der Missbrauch auch, weil Angehörige zwar davon wissen, aber nicht eingreifen.

Bei sexuellem Missbrauch von Kindern in Familien sind Täter ganz überwiegend Männer und die Opfer meist Mädchen - das hat eine Auswertung von Berichten über Taten in vergangenen Jahrzehnten ergeben. 87 Prozent männliche und 13 Prozent weibliche Täter wurden in der Untersuchung der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs verzeichnet, die in Berlin vorgestellt wurde.

Laut den in den vergangenen Jahren gesammelten Berichten über Taten aus vergangenen Jahrzehnten waren fast die Hälfte der Täter (48 Prozent) leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter. Außerdem nannten die Opfer Groß- und Stiefonkel, Brüder, Großväter und andere Verwandte. Zehn Prozent der 1153 angegebenen Täter und Mittäter waren Mütter. Unter den Opfern waren knapp 89 Prozent Mädchen und weibliche Jugendliche und 10 Prozent männlich. In einigen Fällen wurde das Geschlecht nicht angegeben.

Bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder innerhalb der Familie können die Opfer kaum entkommen und werden oft massiv unter Schweigedruck gesetzt. Dieses Schweigegebot sei besonders wirkmächtig, wenn ohnehin vermittelt werde, dass alles in der Familie "unter uns" bleiben müsse, sagte die Pädagogin Sabine Andresen. Sie ist die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.

Signale von Kindern werden häufig übersehen

Die Opfer berichteten laut Studie häufig davon, dass sie sich mit der Bitte um Hilfe an andere Menschen gewandt hätten. Meist war das die Mutter, einige wandten sich aber auch an Erwachsene außerhalb der Familie. Häufig scheuten diese sich jedoch davor einzugreifen - "und denken, es gehe sie nichts an, was hinter der Haustür einer Familie vor sich geht", erklärte Andresen. Dies sei sogar bei Fachkräften des Jugendamts so gewesen. Signale von Kindern seien zu oft übersehen worden, Hilfe sei ausgeblieben.

Geholfen hätten den betroffenen Kindern laut Studie Informationen darüber, an wen sie sich hätten wenden können, und gut informierte Erwachsene in ihrem Umfeld. Vertrauenspersonen in der Familie benötigten ihrerseits gute Unterstützung und Beratung, um ihr Kind schützen zu können, forderte die Kommission. Vertrauenspersonen außerhalb der Familie, etwa in der Schule oder einem Verein, müssten wissen, wie sie helfen können.

Die jüngsten Menschen, die sich an die Kommission wandten, waren zwischen 16 und 21 Jahren alt, die ältesten zwischen 76 und 80 Jahren. Die meisten Berichte stammten von Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Die Kommission wurde 2016 von der Bundesregierung einberufen und wertete für die Studie zu sexuellem Missbrauch in Familien 870 Berichte aus. Dazu gehörten 816 Fälle von Betroffenen, 35 von Angehörigen und 19 von weiteren Zeitzeugen. 680 Berichte erfolgten mündlich und 190 schriftlich. Die Studie ist allerdings nicht repräsentativ, weil sie Berichte von Menschen auswertete, die sich selbst und freiwillig an die Kommission gewandt hatten.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa/AFP

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