Panorama
Dienstag, 21. September 2010

Bluttat in Lörrach: Sohn mit Plastiktüte erstickt

Grausige Details aus Lörrach: Nach dem Amoklauf mit vier Toten veröffentlicht die Polizei erste Obduktionsergebnisse. Demnach hat die 41-jährige Amokläuferin ihren fünfjährigen Sohn grausam erstickt und ihren Ex-Mann in Kopf und Hals geschossen. Die Frau selbst wurde von 17 Kugeln aus Polizeiwaffen tödlich getroffen.

Jugendliche legen Blumen vor dem Elisabethen-Krankenhaus nieder.
Jugendliche legen Blumen vor dem Elisabethen-Krankenhaus nieder.(Foto: dpa)

Die Amokläuferin von Lörrach hat ihren kleinen Sohn erst bewusstlos geschlagen und dann mit einer Plastiktüte erstickt. Das habe die Obduktion der Leichen ergeben, erklärte die Polizei. Mit 17 Schüssen aus Polizeiwaffen war die 41-jährige Sportschützin von Polizeibeamten erschossen worden.

Ihren Ex-Partner, den Vater des Kindes, hatte die Anwältin mit zwei Schüssen in Kopf und Hals getötet. Höchstwahrscheinlich sei der Tod des fünfjährigen Kindes durch das Ersticken eingetreten, teilten die Ermittler mit. Vater und Sohn wurden nebeneinanderliegend auf dem Bett gefunden.

Nach der Tat steckte die 41-Jährige ihre Wohnung in Brand, stürmte ins benachbarte St. Elisabethen-Krankenhaus und erschoss dort einen 56-jährigen Pfleger. Er erlitt drei Schüsse in Kopf und Hals sowie Stichverletzungen in den Oberkörper.

Schüsse auf noch mehr Passanten

Mit einer solchen Waffe schoss die Anwältin um sich.
Mit einer solchen Waffe schoss die Anwältin um sich.(Foto: dpa)

Die Amokläuferin hatte offenbar mehr Menschen in Gefahr gebracht als bisher bekannt. Zeugenaussagen zufolge schoss sie auf dem Weg von ihrer Kanzlei ins St. Elisabethen-Krankenhaus auf weitere Menschen,  wie die Polizei mitteilte. Ein Fußgänger ging demnach sofort in Deckung. Zudem soll Sabine R. auf eine etwa 70 Jahre alte Frau mit einer Gehhilfe, ein vorbeifahrendes Auto und einen Mann mit einem Kind gezielt haben. Sie wurden nicht getroffen.

Neue Waffenrecht-Debatte

Nach dem Amoklauf von Lörrach mit vier Toten ist erneut eine Debatte um das Waffenrecht entbrannt. Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sieht nach dem Amoklauf keine Notwendigkeit für eine Verschärfung des Waffenrechts. "Ich habe keinen Hinweis darauf, dass wir eine Gesetzeslücke haben", sagte Mappus im pfälzischen Herxheim-Hayna.

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Unterstützung bekommt er von Polizei und FDP. "Wir müssen erst mal die Novellierung, die wir nach Winnenden haben, in die Praxis umsetzen", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, im ZDF. Die Kommunen könnten schon jetzt die sichere Aufbewahrung von Waffen kontrollieren - unabhängig davon, ob ein Verdacht besteht. Doch dies scheitere vielerorts am mangelnden Personal.

Nach Austritt Waffenabgabe

Nach Angaben des Deutschen Schützenbundes war die Amokläuferin bereits 1996 aus dem Schützenverein ausgetreten, hatte ihre Waffe aber behalten. "Dies wäre heute so nicht mehr möglich", sagte der Verbandssprecher Birger Tiemann. Das geltende Recht hätte den Amoklauf verhindern können.

Seit 2003 müsse ein Schützenverein jeden Austritt der kommunalen Behörde melden. Diese prüfe dann, ob der Ausgetretene weiterhin ein berechtigtes "Bedürfnis" habe, eine Waffe zu besitzen. Wenn ein Sportschütze nicht mehr regelmäßig im Verein schieße, müsse ihm die Waffe jetzt in der Regel abgenommen werden. "Natürlich werden jetzt Generalverdächtigungen über die ganzen Schützen ausgebreitet." Aber die Schützenvereine seien an strenge gesetzliche Vorgaben gebunden: "Wir haben in Deutschland schon mit eines der strengsten Waffengesetze der Welt."

Die Fraktionschefin der FDP im Bundestag, Birgit Homburger, mahnte striktere Kontrollen von Waffenbesitzern an. "Die Aufbewahrungsvorschriften müssen stärker überprüft werden", sagte sie in Stuttgart. Eine generelle Verschärfung des Waffenrechts lehnte Homburger ab. Sie glaube nicht, dass es eine Debatte um das Waffenrecht brauche. Der Amoklauf zeige, dass es absolute Sicherheit nicht geben könne.

Bestürzung in Lörrach

In der Nacht versammelten sich zahlreiche Trauernde in Lörrach vor den Tatorten. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Zudem trugen sie sich in ein Kondolenzbuch ein. Unter den Trauernden waren viele Jugendliche. Sie hatten sich über das Internet verabredet und die öffentliche Trauer organisiert. Für die kommenden Tage sind zudem Gedenkgottesdienste geplant. Die Stadt Lörrach rief inzwischen zu Spenden für die Familie des von der Amokläuferin getöteten Pflegers und der durch die Hausexplosion obdachlos gewordenen Menschen auf.

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Quelle: n-tv.de