Opern-Skandal in New YorkStardirigent soll Jungen missbraucht haben

Gerüchte rund um Stardirigent James Levine und seine Verhältnisse mit Minderjährigen gab es schon lange. Nun werden erneut Vorwürfe von sexuellem Missbrauch laut. Diesmal könnten sie endgültig das Aus für seine Karriere bedeuten.
Die Metropolitan Opera in New York hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor James Levine wegen Missbrauchsvorwürfen vorerst ausgesetzt. Der 74-Jährige werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus auf Twitter mit. Die Met habe entschieden jetzt zu handeln, während man auf die Ergebnisse der Ermittlung warte, die auf neuen Berichten basierten, hieß es in der Erklärung von Generaldirektor Peter Gelb. "Das ist für jeden Betroffenen eine Tragödie."
Die Zusammenarbeit zu Levine werde vorbehaltlich der Ermittlung auf Eis gelegt, hieß es weiter. Diese sei nach vielen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs durch den heute 74-jährigen Levine von 1960er bis in die 1980er Jahre eingeleitet worden. Levine war von 1971 bis 2016 an der Met Dirigent und lange Zeit auch künstlerischer Leiter.
Zuvor hatte die Met erklärt, man werde den Vorwurf jahrelanger sexueller Übergriffe Levines auf einen Jugendlichen untersuchen lassen. Von jüngsten Berichten über Levines Verhalten sei man "zutiefst getroffen". Damit hat die Welle von Veröffentlichungen zu sexuellen Übergriffen, die mit dem Sturz der ehemaligen Hollywood-Ikone Harvey Weinstein begonnen hatte, nun auch die Welt der klassischen Musik erreicht.
Opfer soll erst 15 Jahre alt gewesen sein
Die "New York Times" hatte am Sonntag Einzelheiten aus einem Polizeibericht von 2016 veröffentlicht, der dem Opernhaus im vergangenen Jahr vorgelegt worden war. Laut einer früheren Erklärung der Met hatte Levine die Vorwürfe als falsch zurückgewiesen. Dem Dirigenten droht in diesen Fällen keine Strafverfolgung, da sie inzwischen verjährt sind.
Das Blatt interviewte außerdem einen betroffenen Mann und sprach mit seinen Familienangehörigen. Demnach soll Levine, damals Anfang 40, im Jahr 1985 am Rande eines Musikfestivals Kontakt zu dem damals 15-Jährigen aufgenommen und die Beziehung über Jahre weitergeführt haben. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben. In dem Bericht schilderten drei weitere Musiker ähnliche Erfahrungen mit Levine.
In den USA wird seit Wochen eine breite Debatte über sexuelle Gewalt geführt, die nach den Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen Hollywood-Produzent Weinstein aufgekommen war. Zahlreiche Opfer meldeten sich zu Wort.