Panorama

Mindestens 33 Tote, Dutzende Verletzte Supermarkt in Riga bricht zusammen

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Von außen sind die schweren Zerstörungen im Inneren des Einkaufszentrums nur zu erahnen.

(Foto: dpa)

Mitten im belebten Abendgeschäft stürzt ein Ladengebäude in Lettland ein. Für viele Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Helfer suchen noch nach Vermissten - dabei sind die Rettungsarbeiten lebensgefährlich. Nun rätseln Ermittler: War es Pfusch am Bau?

Beim Einsturz des Dachs eines Supermarktes in der lettischen Hauptstadt Riga sind nach Angaben der Polizei mindestens 33 Menschen ums Leben gekommen. Wie viele Opfer noch unter den Trümmern sind, sei unklar, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Auch die Ursache des Unglücks, bei dem mehr als 30 Menschen verletzt wurden, ist noch nicht ermittelt.

Örtliche Fernsehsender zeigten, wie Soldaten mit Spürhunden nach Vermissten suchten. Rettungskräfte räumten mit Spezialkränen an der Unfallstelle schwere Betonteile und geborstene Stahlträger zur Seite. Zahlreiche Anwohner legten vor der Absperrung Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Krankenhäuser der Metropole riefen zu Blutspenden auf.

Wurde ein Alarm ignoriert?

Der lettische Polizeichef nannte drei mögliche Gründe für das Unglück: Entweder sei der 2011 eröffnete Supermarkt falsch geplant worden, oder die Baustruktur wie die Statik sei nicht in Ordnung gewesen. Möglicherweise seien auch Bauarbeiten auf dem Gebäude eine Ursache gewesen. Das Flachdach war am Vorabend auf 500 Quadratmetern eingebrochen. Das Gebäude sei daraufhin wie ein Kartenhaus eingestürzt, sagte Vizebürgermeister Andris Ameriks.

Zeugen berichteten von einem Alarmsignal, das vor dem Einsturz zu hören gewesen sei. "Wir ermitteln, ob dies möglicherweise von der Gebäudeverwaltung vernachlässigt wurde", sagte ein Polizeisprecher.

Unter den Toten sind auch Retter

Zahlreiche Anwohner versammelten sich vor dem Gebäude, legten Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Ein Mädchen sagte, sei mit ihrer Mutter beim Einkaufen gewesen, als Betontrümmer herabfielen. Sie selbst habe entkommen können, aber von ihrer Mutter fehle jede Spur. Mit Kränen und schwerem Gerät entfernten die Rettungskräfte die Trümmer. Sie unterbrachen ihre Arbeit immer wieder, um Stimmen oder Handy-Klingeltöne aus dem Supermarkt hören zu können.

Eine Kundin konnte sich in letzter Minute in Sicherheit bringen: "Gott sei Dank war ich fünf Schritte entfernt von der Ausgangstür", schilderte die Frau ihre Erlebnisse. "Von allen Seiten brach alles zusammen - von der Decke, den Wänden." Die Behörden richteten Telefon-Hotlines ein.

Unter den Toten sind drei Feuerwehrmänner, mindestens sieben weitere Helfer wurden bei dem Einsatz verletzt. Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes sprach von einer sehr komplizierten und gefährlichen Hilfsaktion. Es sei nicht auszuschließen, dass noch stehende Teile einstürzen.

Pfusch am Bau nicht ausgeschlossen

Regierungschef Valdis Dombrovskis berief den Krisenrat ein. Noch am Abend eilte er zum Unglücksort. Innenminister Rihards Kozlovskis sprach von einem "tragischen und schwarzen Tag in der Geschichte Lettlands".

Einem lettischen TV-Sender sagte Kozlovskis, es gebe Anzeichen, dass Bauvorschriften nicht eingehalten worden seien. Das Gebäude hatte örtlichen Medienberichten zufolge einen Architekturpreis gewonnen. Zuletzt soll demnach an einem Dachgarten gearbeitet worden sein.

Rigas Bürgermeister Nils Usakovs wies die Behörden an, alle im Bau befindlichen Projekte des zuständigen Unternehmens zu überprüfen. Ameriks schloss Pfusch am Bau nicht aus.

Quelle: n-tv.de, jve/hah/dpa/rts

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