Mail wieder unter Verschluss Tausende Einträge zu Trump in den Epstein-Akten

"Ich war 13 Jahre alt, als Donald Trump mich vergewaltigte", solche Vorwürfe finden sich in den Epstein-Akten – werden aber in den USA kaum thematisiert. Das steckt dahinter.
Für Todd Blanche ist die Sache überhaupt keine Sache. Das, was über Donald Trump in den Ermittlungsakten zu Jeffrey Epstein steht, sei "nichts, was man wirklich untersuchen kann". Der stellvertretende Justizminister war am Wochenende bei CNN zu Gast und kritisierte Behauptungen von "anonymen Personen". Blanche war einst der persönliche Anwalt des US-Präsidenten im New Yorker Schweigegeldprozess. Seine wichtigste Aufgabe damals wie heute: Trump beschützen.
Am Freitag hatte das amerikanische Justizministerium dreieinhalb Millionen Seiten aus den Ermittlungsakten veröffentlicht, darunter auch eine interne E-Mail des FBI aus dem August 2025. Darin sind Aussagen mutmaßlicher Opfer übersichtlich zusammengestellt. Eine Person, deren Name unkenntlich gemacht wurde, sprach demnach über eine Freundin, die gezwungen worden sein soll, "an Präsident Trump Oralverkehr durchzuführen". Die angebliche Tat habe sich demnach vor rund 35 Jahren im US-Bundesstaat New Jersey ereignet. Die Freundin soll laut der E-Mail 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein und Trump während Oralsex gebissen haben. "Der Freundin soll ins Gesicht geschlagen worden sein, nachdem sie darüber gelacht hatte. Die Freundin sagte, Epstein habe sie ebenfalls missbraucht."
Das US-Justizministerium hatte am Freitag im Zuge der Veröffentlichung der Akten "unwahre und sensationslüsterne Behauptungen gegen Präsident Trump" beklagt, die kurz vor der Wahl im Jahr 2020 an das FBI übermittelt worden seien. "Um es klar zu sagen: Diese Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wenn sie auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit hätten, wären sie sicherlich schon längst gegen Präsident Trump eingesetzt worden."
Laut "New York Times" taucht Trump in mindestens 4.500 Dokumenten der jüngsten Veröffentlichung auf. Die Zeitung entschied sich dagegen, über die konkreten Vorwürfe gegen den US-Präsidenten zu berichten, weil Beweise fehlten, mit denen die Anschuldigungen untermauert werden könnten. Auch andere Medien wie die "Washington Post" sparten die Details aus.
Die Vorsicht führender US-Medien dürfte auch mit Trumps aggressiven Reaktionen auf frühere Veröffentlichungen in der Angelegenheit zusammenhängen. Der US-Präsident verklagt unter anderem das "Wall Street Journal", weil die Zeitung im vergangenen Jahr über einen Geburtstagsgruß berichtet hatte, den Trump an Epstein geschrieben haben soll und der anzügliche Bemerkungen enthielt. Der US-Präsident bestreitet, der Autor des Geburtstagsgrußes gewesen zu sein.
Bemerkenswert an den jüngsten Anschuldigungen gegen Trump ist, dass sie im Verlauf des Wochenendes wieder gelöscht wurden. Die freigegebenen Dokumente aus den Epstein-Ermittlungsakten sind auf der Homepage des US-Justizministeriums zugänglich. Die E-Mail vom August 2025 war zunächst verfügbar, ist nun aber nicht mehr online. Jake Tapper, einer der Hauptmoderatoren von CNN, hat Screenshots des Dokuments auf X veröffentlicht.
An einer anderen Stelle der E-Mail geht es um die Aussagen einer Frau zu angeblichen Partys in Trumps Privatresidenz Mar-a-Lago, an denen auch Elon Musk teilgenommen haben soll. Wann diese stattgefunden haben sollen, geht aus den Unterlagen nicht hervor. "Jeffrey Epstein brachte die Kinder mit, und Trump versteigerte sie", heißt es in der Darstellung. Trump soll Kinder bei den Partys im Genitalbereich berührt haben. "Ich war 13 Jahre alt, als Donald J. Trump mich vergewaltigte", wird eine Zeugin zitiert. Laut der E-Mail hatte das FBI keine Kontaktinformationen. Eine weitere Befragung soll es demnach nicht gegeben haben. Wichtig ist auch der Hinweis: Allein die Aussagen einer Zeugin, die nun in den Dokumenten auftauchen, bedeuten nicht, dass Trump tatsächlich in irgendeiner Form strafrechtlich relevante Taten begangen hat.
Die Vorwürfe gegen Trump wurden im August 2025 in einer Liste zusammengestellt. Laut Justizministerium stammen diese aus dem Jahr 2020. Doch wer genau hat die Anschuldigungen an das FBI weitergereicht? Wann genau machten die Zeugen ihre Aussagen? Und gegenüber wem? All das ist unklar. Offen ist zudem, ob es Ermittlungen in den Jahren der Biden-Präsidentschaft gab und falls ja, was aus diesen wurde.
Etwas klarer ist die Lage beim Umfeld von Donald Trump, allen voran bei Howard Lutnick, der als Handelsminister der derzeitigen Regierung angehört. Laut den Ermittlungsakten schickte Lutnick im Dezember 2012 eine E-Mail an Epstein, in der er ihm mitteilte, dass er mit einer Familie und Freunden die Karibik besuchen wolle. Er fragte, wo sich Epstein zum damaligen Zeitpunkt aufhielt und ob sie ihn zum Essen treffen könnten. Dieses wurde demnach für den 23. Dezember 2012 angesetzt. Einen Tag später bedankte sich Epstein per E-Mail bei Lutnick: "Schön, Sie gesehen zu haben", heißt es darin.
Im vergangenen Jahr hatte der Handelsminister, der Trump im Wahlkampf mit großzügigen Spenden unterstützt hatte, in einem Podcast behauptet, dass er und seine Frau schon um das Jahr 2005 herum von Epstein angewidert gewesen seien und den Kontakt zu ihm abgebrochen hätten.
Auch Elon Musk kommt nach den jüngsten Veröffentlichungen in Bedrängnis. Die Akten zeigen einen regen Austausch zwischen Epstein und dem reichsten Mann der Welt. In einer E-Mail vom Jahr 2012 deutete Musk einen Besuch auf der Insel des Sexualstraftäters an und erkundigte sich, wann "die wildeste Party" steigen würde. Vor einer geplanten Karibikreise im Jahr 2013 schrieb Musk, über die Weihnachtsfeiertage in der Gegend der Britischen Jungferninseln zu sein. "Gibt es einen guten Zeitpunkt für einen Besuch?", fragte er. Epstein sprach eine Einladung für das neue Jahr aus.
Ob Musk ihn tatsächlich besuchte, geht aus den Unterlagen bislang nicht hervor. Musk reagierte auf seiner Plattform X und behauptete, nur wenig Kontakt mit Epstein gehabt zu haben. Er sei sich bewusst, dass einige Korrespondenzen mit Epstein "falsch interpretiert" und von Kritikern dazu benutzt werden könnten, "meinen Namen zu beschmutzen".
Wie es im Fall Epstein weitergeht, ist unklar. Die amerikanische Regierung ist laut eines Gesetzes, das der Kongress im vergangenen Jahr beschlossen hatte, dazu verpflichtet, die Ermittlungsakten vollständig zu veröffentlichen. Von den etwa sechs Millionen Akten wurden im Dezember etwa 100.000 veröffentlicht, vergangene Woche weitere 3,5 Millionen. Es fehlen also noch immer mehr als zwei Millionen Akten.
Todd Blanche sagte, die Opfer "wollen Wiedergutmachung", aber das bedeute nicht, dass "wir einfach Beweise schaffen können". Wenn es nach dem stellvertretenden US-Justizminister geht, soll nun Schluss sein mit der Aufregung. Weitere Veröffentlichungen seien nicht geplant, die Überprüfung der Akten "abgeschlossen".