Panorama

Konvoi zieht durch die Geisterstadt Tausende fliehen zweites Mal vor Flammen

Erst müssen die Bewohner der kanadischen Stadt Fort McMurray ihre Häuser räumen und in Notunterkünfte ziehen. Jetzt müssen sie von dort ein zweites Mal fliehen - ihr Weg führt dabei durch die brennende Stadt, vorbei an ihren alten Häusern.

Tausende Einwohner der kanadischen Stadt Fort McMurray sind ein zweites Mal vor den verheerenden Waldbränden geflohen: Die Polizei begann damit, sie per Autokonvoi aus Notunterkünften im nördlichen Umland durch die brennende Geisterstadt zu eskortieren. In der Nacht ist das Feuer um die Hälfte seiner Ursprungsgröße gewachsen und es "könnte sich bis zum Ende des heutigen Tages verdoppeln", twittert der Rundfunksender CBC.

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50 Pkw bahnen sich ihren Weg durch die Flammen zur zweiten Notunterkunft.

(Foto: REUTERS)

Auf Fernsehbildern waren Kolonnen aus jeweils 50 Pkw auf ihrem Weg durch die teilweise zerstörte Stadt zu sehen, die in der Nacht zum Mittwoch vollständig evakuiert worden war. An den Kreuzungen postierten sich Polizisten, um zu verhindern, dass die Einwohner von der vorgegebenen Route abweichen, um Habseligkeiten aus ihren Häusern zu retten. Über der Stadt kreisten drei Armeehubschrauber, um Alarm zu schlagen, falls die Flammen dem Highway 63 zu nahe kommen sollten. Die Evakuierten wurden südlich der Stadt in Sicherheit gebracht.

Flucht war eine "schreckliche Erfahrung"

Die Flucht durch die brennende Geisterstadt sei eine "schreckliche Erfahrung" gewesen, sagte Margarita Carnicero, die mit ihrer Tochter als eine der ersten die Ortschaft Wandering River 200 Kilometer südlich von Fort McMurray erreichte. "Ich hatte Angst, aber ich habe versucht, sie nicht zu zeigen, um meine Tochter nicht zu verängstigen."

Insgesamt sollen 17.000 Einwohner das Katastrophengebiet auf dem Landweg verlassen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Rettungsaktion insgesamt vier Tage dauern wird. 8000 weitere Menschen waren am Donnerstag bereits mit Flugzeugen und Hubschraubern ausgeflogen worden.

Starker Wind treibt die Flammen

Das Feuer war vor einigen Tagen südlich der 100.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Alberta ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen am Dienstag bis in die Stadt. In der Nacht zum Mittwoch ordneten die Behörden die vollständige Räumung der Stadt an. Viele Menschen flohen Richtung Norden, doch dort drohten sie nun erneut von den Flammen eingeschlossen zu werden.

Die Ölprovinz Alberta erlebt derzeit eine Rekorddürre und leidet zudem unter eine Hitzewelle. Seit Tagen herrschen Temperaturen von fast 30 Grad Celsius. 1100 Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die 49 verschiedenen Brände unter Kontrolle zu bringen. In Fort McMurray wurden 2000 Häuser zerstört. Insgesamt fielen in der Region 100.000 Hektar Land den Flammen zum Opfer.

Quelle: n-tv.de, hla/AFP

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