Panorama

Coronavirus gefährdet Regierung Tod von Arzt entfacht Zorn der Chinesen

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Li Wenliang war kein Einzelfall. Viele Ärzte wussten Ende Dezember von der Häufung seltsamer Virusfälle in der schwer betroffenen Metropole.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der chinesische Arzt Li Wenliang, der bereits im Dezember vor dem Coronavirus gewarnt hat, wird nach seinem Tod zum Symbol der Versäumnisse der Behörden. Wut und Trauer, die sich in den sozialen Netzwerken häufen, können auch für Präsident Xi gefährlich werden. Der Fall ist für Peking politisch hochexplosiv.

Li Wenliang, ein Augenarzt aus Wuhan, war im Dezember einer der Ersten, die vor dem neuartigen Coronavirus in China warnten. Die Behörden wollten ihn deswegen zum Schweigen bringen. Am 1. Februar wurde auch bei Li der Erreger diagnostiziert, er hatte sich bei seinen Patienten angesteckt. Nun ist der 34-Jährige tot.

Damit ist der junge Arzt zum Symbol der Versäumnisse der chinesischen Behörden im Umgang mit dem Virus geworden. Die Wut und Trauer über seinen Tod, die sich im Internet Bahn brechen, könnten der Staatsführung gefährlich werden.

Nach der offiziellen Bestätigung von Lis Tod wurde der Arzt in Online-Netzwerken als Held im Kampf gegen das Coronavirus gewürdigt. Dabei wurde auch die Frage laut, warum die Behörden nicht auf seine Warnungen hörten und dadurch im Kampf gegen die Epidemie kostbare Zeit verloren. Mittlerweile gibt es in China schon mehr als 31.000 nachgewiesene Infektionen und mehr als 630 Todesopfer, die Zahlen steigen täglich.

Die Kritik reicht aber weit über Lis Fall und das Coronavirus hinaus. "Ich will Meinungsfreiheit" oder "Wir fordern Meinungsfreiheit", ist im Kurzbotschaftendienst Weibo derzeit immer wieder zu lesen, bevor die Zensur die Einträge löscht.

Behörden nahmen Warnung nicht ernst

Ein anderer Eintrag lautete: "Dem chinesischen Volk wird nur eine Freiheit erlaubt und das ist die Freiheit, die das Land und die Kommunistische Partei ihm gibt." Kämpferisch fügte der Nutzer hinzu: "Aber es sollten eindeutig wir die Herren über die Gesetze dieses Landes sein."

Bevor Li sein Anliegen im Internet öffentlich machte, hatte er nach eigenen Angaben im Dezember zunächst Arztkollegen in einer Chat-Gruppe zu Wachsamkeit aufgerufen. Unter Berufung auf Testergebnisse mehrerer Patienten schilderte er, dass diese sich offenbar mit einem an Sars erinnernden Erreger infiziert hätten.

Statt die Warnung aufzugreifen, versuchten die Behörden in Wuhan, Li mundtot zu machen. Wie der Arzt im Internet schilderte, kam die Polizei zu ihm und zwang ihn, eine Erklärung zu unterschreiben, dass er keine "gesetzeswidrigen Handlungen" mehr begehen werde.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es im Internet Kritik gegeben, dass die Behörden das Ausmaß der Epidemie anfangs heruntergespielt hätten. Seit Lis Tod trotzen noch mehr Chinesen ihrer Führung und machen ihrer Wut und ihrer Trauer im Internet Luft. "Alles auf der Welt kann unterdrückt werden, nur Trauer nicht", warnte ein Blogger im Internetportal Baidu.

Der Fall Li erwischte die Behörden offenbar ziemlich unvorbereitet. Die Staatsmedien CCTV und "Global Times" berichteten auf Weibo bereits am Donnerstagabend, der Arzt sei gestorben. Nachdem sich das Ereignis zum meistgesuchten Suchbegriff auf Weibo entwickelte, wurden die Einträge jedoch gelöscht.

Lis Krankenhaus veröffentlichte später eine Erklärung, wonach der Mediziner eine Notfallbehandlung erhalte. Später bestätigte die Klinik Lis Tod. Die chinesische Anti-Korruptionsbehörde kündigte an, sie werde Lis Fall untersuchen.

"Bitte macht Euch keine Sorgen"

Nach Einschätzung des Politologen Dali Yang von der University of Chicago versucht die Regierung in Peking, die Kritik im Zweifel auf örtliche Behörden umzulenken. Es gebe "nationale Bemühungen, diese starken Emotionen aus dem ganzen Land zu kanalisieren".

Li starb in dem Bewusstsein, dass viele Chinesen seine Warnungen ernst nahmen und ihm gegen die Behörden den Rücken stärkten. In einem seiner letzten Weibo-Einträge schrieb der 34-Jährige, er habe wegen der Infektion mittlerweile Schwierigkeiten, sich zu bewegen und zu atmen. In dieser Lage gebe es aber einen Trost für ihn:

"All die Unterstützung und Ermutigung meiner Online-Freunde hat mich in eine gelassenere Stimmung versetzt", schrieb Li. "Bitte macht Euch keine Sorgen, ich werde bei der Behandlung aktiv mitarbeiten und darum kämpfen, bald entlassen zu werden!"

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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