Panorama

"Genau wie in dem Katastrophenfilm 'Twister'" Tornado macht US-Stadt zum Trümmerfeld

3bsi5757.jpg7937769399054344780.jpg

Ein Trümmerfeld soweit das Auge reicht. Moore ist zerstört.

(Foto: dpa)

Mit gigantischer Wucht fegt ein Tornado über eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Oklahoma. Viele Menschen sterben, unter ihnen Grundschulkinder. Präsident Obama spricht von einer historischen Katastrophe. Aus aller Welt kommen Beileidsbekundungen - auch von Kanzlerin Merkel.

3bsi5348.jpg5035133221412455134.jpg

Aufgespürt in Moore unweit der zerstörten "Plaza Towers"-Grundschule.

(Foto: dpa)

Ein verheerender Tornado hat die Kleinstadt Moore im US-Bundesstaat Oklahoma verwüstet und mindestens 24 Menschen das Leben gekostet. Der Wirbelsturm war am Montagnachmittag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde über den Ort hinweggefegt. Er hinterließ eine rund drei Kilometer breite Schneise der Verwüstung in dem Vorort von Oklahoma City, der schon 1999 durch einen Tornado schwer getroffen worden war.

Mehr als 230 Menschen seien in der Vorstadt Moore verletzt worden, berichtete der Lokalsender KFOR-TV unter Berufung auf Behörden. Knapp 150 mussten laut Medienberichten in einer Klinik behandelt werden. Hunderte verloren ihr Zuhause.

Präsident Barack Obama rief den Notstand aus und sagte den Bewohnern des Katastrophengebietes jede erdenkliche Hilfe zu. Zudem beorderte er den Chef der nationalen Katastrophenschutzbehörde nach Moore, um die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.

In den USA ist derzeit Tornado-Saison. Hunderte Wirbelstürme hinterlassen jährlich in der sogenannten Tornado Alley, die ein Gebiet von Texas im Süden über Oklahoma bis nach South Dakota im Norden umfasst, eine Spur der Zerstörung.

Nur 16 Minuten Zeit

Die Meteorologen hatten am Montag um 14.45 Uhr (21.45 Uhr MESZ) die Tornado-Warnung für Moore ausgegeben, 16 Minuten, bevor der Wirbelsturm auf den Ort traf. Diese Vorwarnzeit sei doppelt so lang gewesen wie bei einer durchschnittlichen Unwetterwarnung, sagte Keli Pirtle von der örtlichen Unwetterzentrale. Dennoch kam sie für viele zu spät: Zwei Grundschulen, das Krankenhaus und zahllose Wohnhäuser wurden durch den Wirbelsturm dem Erdboden gleichgemacht.

Der Rüssel des Sturms berührte den Boden nur eine Viertelstunde, nachdem die Warnungen ertönt waren, sagte eine Sprecherin des Nationalen Wetterdienstes von Norman der "New York Times". Dann habe er mehr als 30 Kilometer zurückgelegt und die Städte Newcastle und Moore getroffen. Fernsehbilder zeigten die enorme Größe der dunklen Säule, die ganze Häuser zerlegte, Autos davonriss und nichts als Trümmer hinterließ.

Autos wurden nach Augenzeugenberichten "wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt, Strommasten und Straßenschilder knickten wie Streichhölzer um". Die Strom- und Wasserversorgung war unterbrochen. "Die ganze Stadt gleicht einem Trümmerfeld", sagte Bürgermeister Glenn Lewis dem Sender NBC.

Opferangaben werden korrigiert

Über die Zahl der Opfer herrschte rund 18 Stunden nach der Katastrophe noch Unklarheit. Während die Gerichtsmedizin in Oklahoma City zunächst erklärt hatte, es seien 51 Tote registriert und weitere 40 von den Bergungsmannschaften angekündigt, korrigierte sie die Zahl der Todesopfer am Dienstag auf 24. "Es herrschte viel Chaos", sagte eine Behördenvertreterin zur Begründung. Einige Leichen seien möglicherweise doppelt gezählt worden.

In den Krankenhäusern von Oklahoma City wurden 240 Verletze behandelt, darunter 60 Kinder. Allein im Universitätskrankenhaus wurden 65 Verletzte versorgt, 45 von ihnen Kinder.

Tornado verwüstet Moore

Moore liegt im Süden von Oklahoma City.

Besonders schlimm getroffen wurde die "Plaza Towers"-Grundschule. Rettungsmannschaften suchten die ganze Nacht bei Flutlicht unter den Trümmern nach Überlebenden. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, da weitere Wirbelstürme für die Region vorhergesagt waren, die die Rettungsarbeiten erheblich behindern würden. Für die Rettungsarbeiten wurden auch die Nationalgarde und der Katastrophenschutz des Bundes eingesetzt. Diese würden so lange vor Ort bleiben, wie dies nötig sei, sagte Obama in einer Erklärung in Washington. Der US-Präsident sprach von "einem der zerstörerischsten Tornados in der Geschichte" der USA.

"Genau wie in dem Katastrophenfilm 'Twister'", beschrieb ein Augenzeuge dem Sender CNN das Wirbelsturm-Chaos. Eine Frau erzählte, dass von ihrem Haus nur eine Wand stehen geblieben sei. "Alles andere ist weg", sagte die Augenzeugin unter Tränen. Der Sturm habe auch ihr Auto weggewirbelt. Auf einer Farm seien mehr als 100 Pferde getötet worden.

Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen in den USA ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck drückten in Schreiben an Obama ihre Bestürzung und Anteilnahme aus. Papst Franziskus rief in einer Twitter-Botschaft dazu auf, für die Toten und ihre Hinterbliebenen zu beten.

Schon 1999 wurden tausende Häuser zerstört

Die 50.000-Einwohner-Stadt Moore war schon 1999 von einem verheerenden Tornado getroffen worden. Damals starben mehr als 40 Menschen, Tausende Häuser wurden zerstört. Die Schäden beliefen sich auf über eine Milliarde Dollar. Der Tornado am Montag war in der Fujita-Skala als ein Sturm der Stärke EF4 klassifiziert, das ist die zweithöchste Stufe. Bewohner berichteten aber, sie hätten ihn als schlimmer empfunden als den Wirbelsturm von 1999, der als EF5 eingestuft wurde.

Bei dem bislang schlimmsten Tornado in der Geschichte der USA waren vor zwei Jahren 161 Menschen in Joplin im Bundesstaat Missouri, umgekommen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP/rts

Mehr zum Thema