Panorama

Ein Täter erschossen Tote bei Terroranschlag in Wien

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Die Wiener Polizei ist im Großeinsatz - hier am Schwedenplatz.

(Foto: REUTERS)

An verschiedenen Orten in der Wiener Innenstadt fallen am Abend Schüsse. Es gibt mehrere Opfer. Der Innenminister geht von einem Terroranschlag aus. Ein Täter ist tot, ein weiterer könnte noch auf der Flucht sein.

Bei einem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt sind am Montagabend drei Passanten getötet worden. 15 wurden verletzt. Die österreichische Polizei sprach zunächst von zwei Toten, auch ein Täter wurde getötet. Ob es weitere Täter gibt, ist noch unklar, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer am Morgen. Die Ermittlungen laufen dazu auf Hochtouren.

Der getötete Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz IS gewesen, sagte Nehammer. Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Der Angriff hatte gegen 20 Uhr in einem Ausgehviertel begonnen, wo kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs waren. Dort befindet sich auch eine Synagoge. Bei einem bei dem von der Polizei erschossenen Angreifer gefundenen Sprengstoffgürtel handelte es sich offenbar um eine Attrappe. Darüber hinaus sei der Mann mit einer großen Menge Munition, einer Machete, einer Pistole und einem automatischen Sturmgewehr ausgestattet gewesen - er sei "sehr umfassend vorbereitet" gewesen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte den Angriff als "widerwärtigen Terroranschlag". "Es ist der Polizei gelungen, einen Täter auszuschalten", sagte er am späten Abend im ORF. Auch nach Mitternacht gab es noch keine Entwarnung. Das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt ist weiterhin weiträumig abgesperrt. An die zwei Millionen Einwohner appellierten die Behörden, zu Hause zu bleiben. Neben der Polizei waren auch Soldaten im Einsatz.

Erste Schüsse an der Synagoge

*Datenschutz

Der Polizei zufolge gab es sechs verschiedene Tatorte. Die ersten Schüsse seien in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob sie eines der Ziele war. "Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge (...) als auch das Bürogebäude an derselben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren."

Auf Videos, die der Privatsender Oe24 ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse auf einen Mann abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. Bei dem Angriff sei "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen worden - vor allem auf Menschen, die draußen saßen, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Polizei ist "mit allen möglichen Kräften im Einsatz"

Bundeskanzler Kurz forderte die Bevölkerung auf, weiter an einem sicheren Ort zu bleiben. Die Polizei rief die Bevölkerung ebenfalls dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. "Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet", hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, übers Internet keine Gerüchte zu verbreiten. "KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!" Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen versicherte auf Twitter: "Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen."

Auch international wurde der mutmaßliche Anschlag von zahlreichen Spitzenpolitikern verurteilt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: "Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben." In Frankreich hatte es in den letzten Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

Quelle: ntv.de, hul/dpa