Panorama

Hoffnungen ruhen auf dem Herbst Trocken und heiß - Pegel auf Rekordtiefe

309806975.jpg

Der Juli war viel zu trocken und im August ist in weiten Teilen des Landes bislang kaum Niederschlag gefallen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland trocknet weiter aus. Außer bei lokalen Hitzegwittern ist auch in den kommenden Tagen kein nennenswerter Regen in Sicht. Die Flüsse haben noch nie so früh so wenig Wasser geführt, sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander. Und der Rest des August wird mit jeder neuen Modellrechnung trockener.

ntv: Die nächste Hitzewelle hat Teile Deutschlands erreicht. Wie lange wird sie dauern?

Björn Alexander: Auf den ersten Höhepunkt der Hitze steuern wir am Sonntag und Montag zu. Dann sind Spitzen von 36, vielleicht auch 37 Grad denkbar. Danach sehen die Wettercomputer unterschiedliche Szenarien. Auch eine Verlängerung der Hitze mit Temperaturen von 30 Grad und mehr ist in manchen Regionen möglich. Hier gibt es aber größere Unsicherheiten bei den verschiedenen Wettermodellen.

Welchen Weg nimmt die heiße Luft bis dahin?

Erst einmal breitet sich die Hochsommerluft mit Höchstwerten um die 30 Grad immer weiter nordwärts aus. Einzig die Küstenregionen im Seewind und der Alpenrand zeigen sich weniger hitzig. Glücklicherweise verschont uns hierbei zunächst noch die ganz große Schwüle. Denn vorerst einmal ist die Luft relativ trocken, und damit können die Nächte noch verhältnismäßig gut auskühlen. Erst am Wochenende wird es schrittweise schwüler, und somit werden die Nächte häufiger tropisch, also mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad.

Gleichzeitig trocknet Deutschland aus - ist auch mal wieder Regen in Sicht?

Da sieht es momentan leider sehr schlecht aus. Freitag und Samstag sind im Süden und Südosten gelegentliche Hitzegewitter drin. Sonntag dann vielleicht mal im Südwesten. Am Montag steigt generell im Süden und Westen das Schauer- und Gewitterrisiko an, was gleichzeitig mit einer Abkühlung einhergeht. Am Dienstag sind dann voraussichtlich im Norden und Osten ebenfalls Gewittergüsse zu erwarten, die die Hitze zwar abfedern. Aber an der tiefgreifenden Trockenheit ändert das nur wenig bis gar nichts. Es ist höchstens der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Und danach?

Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander sieht eine dramatische Entwicklungen bei den Pegelständen.

Sind die Wetterkarten noch nicht gelegt. Mit Glück setzt sich aber mal dauerhaft zumindest schwacher Tiefdruckeinfluss durch, sodass die Regenwahrscheinlichkeit ansteigt. Aber das ist bei weitem noch nicht sicher. Zumal die experimentellen Langfristprognosen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA den Monat August mit jeder neuen Berechnung immer trockener bewerten. Bleibt zu hoffen, dass sich das so nicht bewahrheitet und dass es mal dauerhaft wechselhafter oder sogar nasser wird.

Ansonsten drohen weitere Einschränkungen in Sachen Versorgung?

Was die Transportsituation auf den Flüssen angeht auf jeden Fall. Schlussendlich bewegen wir uns bei den Pegelständen auf negativem Rekordniveau - und das ist eigentlich noch viel zu früh im Jahr und dürfte für weitere Einschränkungen bei der Schifffahrt sorgen. Für gewöhnlich haben wir die niedrigsten Wasserstände erst im Spätsommer oder im Herbst. Es könnte also wirklich dramatisch werden.

Stichwort Klimawandel. Lassen sich diese Extremwettersituationen eigentlich noch anders erklären?

Mir fällt leider nur wenig anderes ein. Die Aneinanderreihung von extremen Wetterereignissen - insbesondere im Hinblick auf die Sommer der letzten Jahre - lassen sich kaum anders erklären. Und selbst wenn es noch Zweifler an diesen Zusammenhängen gibt, so erlebten und erleben wir leider vermehrt historische Entwicklungen, die sich nicht als "normaler Sommer" wegleugnen lassen. Selbst 30 Grad waren früher eher die Ausnahme im Sommer - Werte über 40 Grad fanden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bis in die 1980er in Deutschland gar nicht statt. Auch wenn ich wünschte, dass das alles im Sinne der Klimawandel-Leugner eben nicht Klimakrise wäre, sondern einfach nur Wetterkapriolen, die an uns vorübergehen und dann irgendwann so vorbei sind. Doch das dürfte leider nicht der Fall sein.

Gibt es denn bei den Langfristberechnungen irgendwelche Hoffnungsschimmer für den Regen in den nächsten Monaten?

Derzeit sehen die Berechnungen im Herbst zumindest mal nach durchschnittlichen Regenmengen aus. Das wäre ein Silberstreif am Horizont. Auch wenn es beispielsweise an den zum Teil sehr schlechten Ernten in der Landwirtschaft nichts mehr ändern wird, so wären doch Versorgungsengpässe bei der Flussschifffahrt vom Tisch.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen